Von Uwe Nettelbeck

Rom, an einem sonnenheißen Vormittag mitten im August. Wie ausgestorben ist die Stadt. Mindestens nach Ostia sind ihre Bewohner gefahren. Nicht Bruno. In seinem weißen Lancia-Aurelia gönnt er sich die Freude, verkehrswidrig herumzuflitzen. Eigentlich sucht er ein geöffnetes Bistro, er will telephonieren. Die Jalousien sind jedoch überall herunter, der Ausnahmezustand scheint verhängt.

Im Fenster eines Wohnhochhauses entdeckt er einen jungen Mann. Bruno darf heraufkommen und telephonieren. Roberto sitzt über seinen Büchern, er bereitet sich auf sein juristisches Examen vor. Bruno fackelt nicht lange, munter benutzt er das Badezimmer des schüchternen Studenten, zerdeppert dabei dies und das und schleppt den Verdutzten auch noch aus dem Haus. Zuviel Arbeit sei ungesund, sagt er, man könne ja mal eben zum Essen fahren. Roberto hat ein schlechtes Gewissen und obendrein Angst, denn Bruno spielt den großen Mann, abzulesen auf dem Tachometer.

Entschlüsse werden gefaßt und schnell wieder verworfen, immer weiter entfernen die beiden sich von Rom, verfolgen zwei deutsche Mädchen, allerdings nur bis auf einen Friedhof, werden Zeugen eines schlimmen Autounfalls, machen sich bei der Polizei unbeliebt und bekommen ein Strafmandat.

Roberto ist in Staunen verstummt, irgendwie beginnt das freche Benehmen Brunos ihm zu imponieren, aber es ist ihm unwohl dabei, er will nach Hause. Außerdem hat Bruno ihn bereits angepumpt. Irgendwo am Meer essen sie zu Mittag. Bruno fädelt ein Techtelmechtel mit der Kellnerin ein, und als sich das hinzieht, will Roberto sich verdrücken. Doch weit kommt er nicht. Zusammen fahren sie zu Robertos Verwandten. Onkel und Tante erliegen sogleich Brunos Charme, der hintangesetzte Roberto hat Muße, den Gutshof, auf dem er seine Jugend verbracht hat, zu inspizieren. Alles ist kümmerlicher als in der Erinnerung, schal und längst nicht mehr so wichtig. Bruno hat dem Onkel inzwischen eine Standuhr abgeschwatzt, die Roberto früher nicht einmal berühren durfte, und außerdem entdeckt, daß Robertos Vetter eindeutig nicht des Onkels, sondern des Verwalters Sohn sein muß. Die Idylle ist endgültig geplatzt, Roberto will fort, und auch Bruno hat von der Ländlichkeit genug: Sie fahren weiter.

In einem Nachtklub trifft Bruno auf einen Gläubiger, verlegen versucht er sich herauszuwinden. Wieder will Roberto sich aus dem Staub machen, doch es fährt kein Zug mehr nach Rom. Er kehrt um, gerade rechtzeitig, um Bruno in einer Rauferei beizustehen. Ein wenig ramponiert verlassen die beiden die Bar und holen Brunos Frau, von der er schon lange getrennt lebt, aus dem Bett. Brunos Annäherungsversuche verfangen jedoch nicht, und so übernachten sie schließlich in Liegestühlen am Strand. Den nächsten Vormittag vertrödeln sie am Meer. Bruno amüsiert sich auf Kosten des schon angegrauten Bräutigams seiner Tochter, und Roberto versucht mühsam, sich dem Treiben anzupassen. Am Nachmittag endlich brechen sie auf, Roberto hat sich plötzlich ein Herz gefaßt. Zusammen mit Bruno will er das Mädchen von gegenüber auftreiben, das er schon lange verehrt, aber noch nicht anzusprechen gewagt hat. Bruno fährt noch ausgelassener, und das geht nicht gut. Er kollidiert mit einem Lastwagen, kommt selbst mit ein paar Schrammen davon, Roberto aber findet den Tod.

Zunächst ist Dino Risis Film nur eine Aneinanderreihung drolliger Episoden, Bruno spielt sich auf und Roberto staunt. Doch schon der Besuch bei den Verwandten ist mehr, die Regie verweilt, malt aus,-die Umrisse der Figuren werden schärfer. Die Unbekümmertheit ist nicht mehr ganz echt, was folgt, ist melancholisch. Nicht, daß Bruno seine Munterkeit verlöre, aber sie beginnt, ein wenig fade zu werden. In den vielen kleinen Szenen am Strand tritt der Film dann auf der Stelle, nichts kommt mehr vom Fleck, Bruno fällt nichts mehr ein. Was mit Elan begonnen wurde, endet in Lethargie und Langeweile. Abenteuerlich ist die Gammelstimmung am Strand zuletzt.