Ein Schreiber ist ein Schreiber, und wenn er Glück hat, wird aus dem Geschriebenen etwas Gedrucktes. Dann eilt er aufgeregten Schrittes von Buchhandlung zu Buchhandlung und versucht, dieses im Fenster zu erblicken. Meist vergeblich. Hineinzugehen und zu fragen, ob sein Buch wenigstens vorrätig sei, wenn es schon nicht im Fenster läge, traut er sich nicht. Er müßte die Frage wenigstens mit einem kleinen Einkauf verbinden. Aber mit einem Taschenbuchroman für 2,40 DM kann er die Liebe des Buchhändlers kaum gewinnen, und ein teures Buch zu kaufen, wäre für ihn ein Verlustgeschäft. Denn das Einkommen eines Autors wird nach Pfennigen berechnet, selten nach Mark, und kaufte er ein Buch für 24 DM, um sich zu des Buchhändlers liebstem Kind zu machen, müßte dieser eine Buchhändler genau 24 Stück von des Autors Buch verkaufen, ehe die Rechnung Plus–Minus–Null aufgeht. Und welcher Buchhändler verkauft 24 Exemplare eines Buches eines Autors, es sei denn, der Autor hätte einen Mord begangen, oder er wäre gerade selbst unter aufregenden Umständen ermordet worden.

Da lobe ich mir die Buchhändler, die neben den Büchern Seife, Reiseandenken, Postkarten, Zeitungen und Zigaretten verkaufen. Hier kann man leicht Stammkunde für den täglichen Bedarf werden und beim zehnten Einkauf, wenn der Buchhändler sich an unser Gesicht gewöhnt hat, sich mit verlegener, um Verzeihung bittender Geste erkundigen, wie es um das eigene Buch bestellt sei. So hielt ich es jüngst in einem oberbayerischen Kurort, wo es am oberbayerischsten ist. Nach dem Einkauf einer Tageszeitung, eines „Spiegels“, einer „D-Mark“, einer „Sie“ und einer „Er“ sagte ich dem Buchhändler, daß ich selbst Bücher schreibe und ob er nicht eines davon wenigstens zur Saison, wenn die Fremden im Lande wären und es vielleicht regnen würde, in die Auslagen legen möchte.

Der Buchhändler sagte freundlich: „Warum nicht, mein Herr?“

Da er nicht mehr sagte, mußte ich mehr sagen. „Ich heiße J ... H ... R ... und wüßte gern meine neuen Bücher hier feilgeboten.“

„Sehr gern, mein Herr!“ sagte er und füllte einem dritten Kunden sein Feuerzeug mit Benzin auf.

Ich blieb weiter beredt: „Die Bücher sind in einem bekannten Verlag erschienen, bei Blanvalet in Berlin. Sie wissen ja, der Verleger des bekannten Buches ‚Angélique‘, davon gibt es schon fünf Bände, und fünf weitere werden folgen.“

„Aha!“ sagte er nur, kassierte zehn Pfennig für das Feuerzeugbenzin und fragte: „Wie heißt das bekannte Buch?“