Professor Dr. Gerhard Schubert, der Direktor der Hamburger Universitätsfrauenklinik, verstarb am 18. Februar 1964, wenige Wochen nach Vollendung seines 57. Lebensjahres plötzlich und unerwartet an den Folgen einer Hirnblutung. Mit uns, seinen Schülern und Freunden, trauern seine Patienten, die Hamburger Universität und die gesamte wissenschaftliche Welt um diesen hochverdienten Mann, dessen ganzes Leben in rastloser, fast fanatischer Energie und Hingabe der medizinischen Forschung gewidmet war.

Nach Vollendung seiner Studien und Beginn seiner ersten klinischen Ausbildung in Dresden kam Schubert 1937 durch einen Zufall zu dem Wissenschaftler, der seine weitere Laufbahn entscheidend beeinflußt hat, dem Strahlengenetiker Timofeeff-Ressovsky, damaligem Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung in Berlin-Buch.

Mit den hier erworbenen Kenntnissen der strahlenbiologischen Grundlagenforschung fand er 1939 seinen Weg an die Arbeitsstätte seines klinischen Lehrers und späteren größten Förderers, Professor Heinrich Martius, des Direktors der Universitätsfrauenklinik in Göttingen.

An der Göttinger Frauenklinik begann der steile Aufstieg des jungen Assistenten und Dozenten, dem es während einer Tätigkeit als Kriegschirurg in Paris gelang, Verbindung mit dem berühmten Kernphysiker Frédéric Joliot aufzunehmen und an dessen Institut, dem Laboratoire de Chimie Nucleaire im College de France, arbeiten zu dürfen. Es gibt wohl keinen besseren Beweis hochherziger Gesinnung als diese wissenschaftliche Gastfreundschaft Joliots mitten im Kriege, die die Wahrheit des alten Leitsatzes bekräftigt: „Die Wissenschaft hat kein Vaterland.“

In den folgenden Jahren gelang es Schubert in Göttingen, eine Synthese der modernen Erkenntnisse der Kernphysik mit ihrer unmittelbaren Nutzanwendung im medizinischen Bereich an krebskranken Patienten zu finden.

Nachdem bereits 1940 das erste „Betatron“ in Chikago gebaut worden war, führte er zusammen mit dem Physiker Paul und dem Dermatologen Bode Ende der vierziger Jahre erstmalig mit einer in Deutschland von den Siemens-Reiniger-Werken (Erlangen) konstruierten „Elektronenschleuder“ eine erfolgreiche Bestrahlung von Geschwülsten der äußeren weiblichen Genitalorgane durch.

1947 erschien seine Monographie „Kernphysik und Medizin“, deren Drucklegung infolge Einspruchs der damaligen Besatzungsmächte nur unter größten Schwierigkeiten erfolgen konnte. Dieses bedeutende Werk und seine Erfolge in der Strahlenbehandlung gynäkologischer Krebserkrankungen ließen den jungen Wissenschaftler in das Blickfeld der Öffentlichkeit treten und verschafften ihm zugleich internationale Anerkennung. So war es nicht erstaunlich, daß er 1950 auf den freigewordenen Lehrstuhl für Frauenheilkunde an der Hamburger Universität berufen wurde.