Lustspiel von Janusz Warminski

Landesbühne in Wilhelmshaven

Von dem Polen Slawomir Mrozek machen augenblicklich einige politisch-satirische Einakter die Runde über deutsche Bühnen. Einen anderen noch jungen Polen stellte die Landesbühne Niedersachsen-Nord vor. Dieser Janusz Warminski kann zweifellos einen Dreiakter schreiben. Man ahnt auch in der "Bearbeitung", die der Regisseur der deutschsprachigen Erstaufführung hergestellt hat, wie doppelbödig die Figuren in Polen wirken mögen. Da wird zunächst ein berühmter Raketenforscher von einem verkrachten Rechtsanwalt als Schwindler und Karrieremacher entlarvt. Die Erpressung besteht darin, daß der "Professor", der eigentlich Landwirt ist, auch den Rechtsanwalt als namhaften ausländischen Weltraumforscher einführt und teilnehmen läßt an einem Ruhm, dessen sachliche Grundlagen anscheinend niemand nachprüfen kann.

Hier stock’ ich. Natürlich denkt der Satiriker Warminski (und in einem totalitären Staat auch das Theaterpublikum) an jene Ämterpatronage, für die politische Beziehungen wichtiger sind als fachliche Eignung. Daß jedoch ausgerechnet Weltraumforschung und Raketenbau als Beispiel geeignet erscheinen, läßt darauf schließen, daß eine Wissenschaft und Technik, in denen nur penibelste Genauigkeit und keine Phrasen zu Erfolgen führen können, in Polen vielleicht noch keine große Rolle spielen. In Moskau und in Amerika wäre solch ein Lustspiel schon wegen dieses Stoffes... undenkbar.

Aber auch der politische Bezug volksdemokratischer Bühnenprodukte, soweit sie bisher in Westdeutschland aufgeführt worden sind, findet glücklicherweise in den meisten Fällen bei uns keine spontane Resonanzmöglichkeit mehr. Damit fehlen auch diesem jüngsten Importstück zwei wesentliche Voraussetzungen.

Was man in Wilhelmshaven zu sehen bekam, entpuppte sich als Schwank. Liebschaften, Ehebetrug und Eifersucht sind die Motoren der turbulenten Handlung. Den nettesten Überraschungstrick bringt der letzte Akt: Das Dienstmädchen wirft sich zur Herrin auf, und die ehemalige Gnädige kann endlich als deren Hausangestellte ihren sentimentalen Traum erfüllen – einmal in Paris zu sein.