Zum erstenmal seit der Suez-Aktion im Jahre 1956 wurde Großbritannien vor dem Weltsicherheitsrat einer Aggression gegen ein arabisches Land angeklagt. Am Ostersonnabend hatten britische Düsenjäger ein jemenitisches Grenzfort zerstört. 25 Menschen sollen umgekommen sein. Der Angriff war eine Vergeltung für Luftangriffe und Guerillaeinsätze aus dem Jemen gegen das Scheichtum Beihan, das angeblich zugunsten der Royalisten in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen hatte. Großbritannien ist vertraglich zum Schutz der Südarabischen Föderation verpflichtet. Dieses Protektorat ist historisch ein Teil von Groß-Jemen. Der Imam von Sana hat aber nur im 17. Jahrhundert über ganz Südarabien geherrscht; ansonsten war das Gebiet Ägyptern, Türken, Briten oder Stammeshäuptlingen preisgegeben. Imam Ahmed versuchte 1954/55, mit russischer und ägyptischer Hilfe, vergeblich, die Bildung der von den Briten geförderten Föderation gewaltsam zu verhindern. Das Revolutionsregime in Sana hat den Gebietsanspruch aufrechterhalten. Präsident Nasser hat öfters verkündet, er werde den Revolutionären "im besetzten Süden Arabiens" helfen.

Ein Teil der Föderation ist die britische Kolonie Aden, militärische Drehscheibe des britischen Mittelostkommandos. Die Lage ist für London politisch kompliziert, weil es, im Gegensatz zu Washington, die neue Regierung in Sana nicht anerkannt hat. Der Präsident des Jemen, Marschall Sallal, läßt sich zur Zeit in der Sowjetunion kurieren.