erweitert, bleibt aber in der Relation zu den Superinvestitionen von 414 (285) Millionen DM — dem höchsten Betrag seit Neugründung der Gesellschaft — geradezu verschwindend klein. Angesichts dieser Investitionsanstrengungen des Unternehmens ist der Preis, der dafür über die zweiprozentige Dividendensenkung von den Aktionären verlangt wird, nicht zu hoch. Die ATH kommt mit ihren neuen Kapazitäten, wenn die Anzeichen nicht trügen, gerade zum richtigen Zeitpunkt in Betrieb. Das Stahlgeschäft belebt sich wieder, und es wird mit den neuen Anlagen auch zusätzliches Geld verdient werden "Wir sen Chef Sohl. Er hatte zu einem früheren Zeitpunkt einmal das Bild von dem zu groß geschneiderten Anzug geprägt, in den die Stahlindustrie erst wieder hineinwachsen müsse. Die bewährte Methode, in der Baisse zu investieren, um in der Hausse gewappnet zu sein und — zu ernten, hat man bei Thyssen offenbar mit Erfolg angewandt. Im laufenden Jahr muß die Thyssen Hütte nochmals hohe Investitionskosten verkraften. Wie Vorstandsmitglied Dr. Cordes mitteilte, rechnet man mit 300 Millionen bei einem Abschreibungsvolumen von 150 Millionen Mark. Erst das Jahr 196465 werde ein Periode der Konsolidierung bei Thyssen einleiten.

Das laufende Geschäftsjahr wird vom Vorstand zwar noch vorsichtig, aber schon mit unverkennbarer Zuversicht beurteilt. Produktion und Umsatz sind kräftig gestiegen. Die Rohstahlerzeugung wurde in den ersten 5 Monaten des neuen Geschäftsjahres um 18 8 Prozent gesteigert; der Umsatz stieg dagegen um 11 Prozent. Die Erlöse haben sich also noch nicht nachhaltig gebessert. Es sei zwar, so hieß es bei Thyssen, eine gewisse Stabilisierung festzustellen, aber das Niveau der Listenpreise sei vorerst noch nicht wieder zu erreichen.

Mit besseren Zahlen als im Berichtsjahre können auch die Töchter aufwarten. Bei den Deutschen Edelstahlwerken hat sich der Umsatz seit Anfang des Jahres auf 50 Millionen DM im Monat eingependelt, so daß wohl damit zu rechnen ist, daß das Krefelder Unternehmen wenigstens den im Berichtsjahre eingetretenen Umsatzrückgang von 580 auf 548 Millionen wieder aufholen kann. Die Anlagen sind jetzt gut ausgelastet, aber einen größeren Sprung nach vorn wird es bei DEW erst geben, wenn die noch im Bau befindlichen Anlagen — eine Feineisenstraße und die zweite Ausbaustufe des Kaltwalzwerkes — gegen Ende des laufenden Jahres in Betrieb genommen werden. Im Berichtsjahre hat die Edelstahltochter 3 02 (nach 5 15 Millionen im Vorjahr) an die Muttergesellschaft abgeführt. Die freien Aktionäre der DEW erhalten die nach dem Organvertrag garantierte Dividende von 12 Prozent (jeweils 2 Prozent über der ATH Ausschüttung).

Von dem Organvertrag mit der August Thyssen Hütte profitieren auch die freien Aktionäre der Niederrheinischen Hütte, Während die Muttergesellschaft von Niederrhein einen Verlust von 1 4 Millionen übernehmen muß, erhalten sie die garantierte Dividende von 11 Prozent. Wenn auf die Frage, ob Niederrhein einen Verlustabschluß präsentiert haben würde, wenn das Unternehmen nicht die Tochter eines so ertragsstarken Konzerns wäre, nicht ganz von der Hand zu weisen ist, so kann doch andererseits nicht übersehen werden, daß diese Tochter im Berichtsjahre unter ungewöhnlich schwierigen Marktverhaltnissen zu leiden hatte. Starker Preisverfall im Walzdrahtabsatz und anhaltender Importdruck im Stabstahlgeschäft, den beiden Erzeugnissen der Gesellschaft, haben die Akzente bei Niederrhein gesetzt. Erschwerend kam außerdem hinzu, daß die Walzdrahtausfuhren in die USA auf Grund des dort laufenden Antidumping Verfahrens zeitweilig fast völlig zum Erliegen kamen. Immerhin stehen in den letzten Wochen die Sterne hier ebenfalls wieder günstiger, so daß man davon ausgehen darf, auch diese Thyssen Tochter bald wieder "auf Draht" sehen zu können.

Günstigere Nachrichten kommen auch aus dem Bereich der jüngsten Konzerntochter Phoenixlaufende Jahr bereits von akutem Interesse für die Rechnung der Muttergesellschaft sind. Eine knapp fünfprozentige Umsatzsteigerung in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres wird noch verschönt von einem um 8 6 Prozent gestiegenen Auftragseingang. Die wieder gui gefüllten Auftragsbücher des Unternehmens garantieren für die nächsten Monate, wie Vorstandsmitglied Ernst Wolf Mommsen mitteilte, eine gleichbleibende Beschäftigung auf dem jetzigen Stand. Bisher erhöhten sich in diesem Jahre die Roheisenerzeugung um 12 Prozent, die Rohstahlproduktion um 7 Prozent, Walzstahl um 3 6 Prozent und die Erzeugung von Rohren um 9 4 Prozent. Phoenix Rhemrohr schickt sich also ebenfalls an, die Einbußen des Berichtsjahres wieder aufzuholen. Im Geschäftsjahr 196263 ermäßigte sich der Umsatz des Düsseldorfer Unternehmens um 7 9 Prozent auf 1 560 Milliarden, im Konsolidierungsbereich betrugen die Umsatzerlöse 1 682 gegenüber 1 806 Milliarden. Empfindliche Rückschläge gab es vor allem in der Produktion und damit in der Beschäftigung der Werke. Die Rohstahlerzeugung ging um 5 Prozent auf 2 95 Millionen Tonnen zurück; um 11 Prozent blieben Walzwerksfertigerzeugnisse und um fast 10 Prozent die Erzeugung von Rohren unter den Vorjahrsziffern. Mommsen nannte das vergangene Geschäftsjahr das "Jahr mit dem bisher höchsten Schwierigkeitsgrad". Phoenix hatte neben den die ganze Branche betreffenden Sorgen noch seine speziellen Probleme: Das Großrohrembargo mit seinen harten Auswirkungen auf die Beschäftigung des Werkes Mulheim und das amerikanische Antidumping Verfahren, das via Exportdrosselung ebenfalls erhebliche Beschäftigungssorgen im Gefolge hatte.

Hier liegen auch die Gründe für die Dividendensenkung von 12 auf 10 Prozent; diese einschneidenden Belastungen mußten die Ertragslage der Gesellschaft beeinträchtigen und wenn Phoenix in einem solchen Jahr die zehnprozentige Dividende dennoch zahlen kann, dann darf man dem Unternehmen getrost bescheinigen, daß es einen erfreulichen Grad an Standfestigkeit bewiesen hat. Die Dividendensenkung war notwendig — daran besteht kein Zweifel —, aber es war andererseits auch nicht nötig, die Substanz des Unternehmens anzugreifen. Der Rückgang der Ertragssteuern auf 42 4 (57 7) Millionen gibt einen Anhalt für die Verschlechterung des Ergebnisses. Sparen mußte man vor allem in der Bemessung der Abschreibungen. Sie gingen auf 102 Millionen zurück, womit allerdings, wie betont wird, die steuerlichen Möglichkeiten voll ausgeschöpft wurden.

auch das Wechselkreditgeschäft gewesen (das