Die blockfreien Nationen wollen zum zweitenmal seit 1961 als eigener Block ihre Stimme erheben. Eine vorbereitende Konferenz in Colombo, die Jugoslawien, Ceylon und Ägypten einberufen hatten, hat für die erste Oktoberwoche zu einem Gipfeltreffen nach Kairo eingeladen.

An den Konferenztisch gebeten wurden die Staatschefs jener 25 Nationen, die 1961 bei der ersten Konferenz der Blockfreien in Belgrad vertreten waren (siehe Karte), außer ihnen alle anderen Staaten, die zur Organisation für Afrikanische Einheit oder zu den Teilnehmern der arabischen Gipfelkonferenz vom Januar gehören, ferner Njassaland und Nordrhodesien, die bis zum Herbst unabhängig werden, die europäischen Neutralen Finnland, Österreich und Schweden und als Beobachter aus Südamerika Bolivien und Brasilien. Einige der Konferenzthemen: Koexistenz, Weltfrieden, die Rolle der UN, Abrüstung, Kernwaffenverbot, ausländische Stützpunkte, Kolonialismus, Apartheid.

Noch in diesem Monat wird in der indonesischen Hauptstadt Djakarta als konkurrierendes Unternehmen eine zweite "Bandung-Konferenz" aller afrikanisch-asiatischen Staaten vorbereitet, Ihre Themen wären weniger abstrakt: Malaysia, Kaschmir, Vietnam, Kambodscha, Korea, Pekings Anspruch auf einen UN-Sitz. Die Initiative für ein neues "Bandung" geht von China und Indonesien aus, auch Algerien hat sich dafür eingesetzt.

Erstmals seit Ende des Grenzkrieges am Himalaja sitzen in Djakarta Inder und Chinesen wieder an einem Tisch. Aber nur 16 Nationen haben bisher zugesagt. Viele Anhänger des neuen "Belgrad" fürchten nämlich, Peking suche lediglich eine Plattform, auf der es als "Großmacht und Vorhut der afro-asiatischen Entwicklung länder auftreten könne.