Auszüge aus J. W. Fulbrights Rede vor dem US-Senat

"Der beherrschende Mythos des Kalten Krieges ist es, daß der kommunistische Block ein Monolith sei, gebildet aus Regierungen, die nicht wirklich Regierungen sind, sondern vielmehr Verschwörer-Organisationen, untereinander uneins vielleicht in taktischen Fragen, aber alle gleich zielstrebig und gleich unversöhnlich in ihrer Entschlossenheit, die freie Welt zu vernichten... In Wirklichkeit verhält es sich so, daß einige kommunistische Regimes die freie Welt bedrohen, andere kaum oder gar nicht, und daß wir, wenn wir diese Unterschiede erkennen, den Gang der Ereignisse innerhalb des kommunistischen Blocks in einer der Sicherheit der freien Welt günstigen Weise beeinflussen können."

"Die Sowjetunion, obwohl noch immer ein höchst formidabler Gegner, hat aufgehört, dem Westen in totaler, unversöhnlicher Feindschaft gegenüberzustehen. Sie hat eineneue Bereitschaft gezeigt, mit dem Westen Arrangements zu beiderseitigem Nutzen zu treffen und sie – bisher wenigstens – auch einzuhalten. Es ist daher möglich geworden, einen Teil unserer Energie dem Verfolg des Kalten Krieges zu entziehen und der Entspannung des Kalten Krieges zuzuwenden und die Sowjefun on in bestimmter Hinsicht als normalen Saat mit normalen und traditionellen Interessen zu behandeln."

"Eine bescheidene Steigerung des Ost-West-Handels mag... als bescheidenes Instrument der Ost-West-Entspannung dienen – vorausgesetzt, wir überwinden den Mythos, daß Handel mit kommunistischen Ländern ein Pakt mit dem Teufel sei, und erkennen, daß der Handel als wirksames und ehrenhaftes Mittel dienen kann, sowohl den Frieden als die Wohlfahrt der Menschheit zu fördern."

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"Wir täten gut daran, der Möglichkeit besserer Beziehungen zum kommunistischen China eine Tür ‚offen‘ zu halten. Zunächst aber müssen wir unsere Gedanken aufschließen gegenüber bestimmten Realitäten: daß es tatsächlich nicht ‚zwei Chinas‘ gibt, sondern nur eins – Festland-China und daß dieses Land von Kommunisten regiert wird, woran sich bis in die unbegrenzte Zukunft hinein wohl nichts ändern dürfte."

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