Nach außen hin hatte Edgar Faure seine Reise nach Rußland als privates Familienunternehmen deklariert; Reportern sagte er, er fahre mit Frau und Tochter ganz en famille und ohne jedes diplomatische Gepäck.

Mit ähnlichen Kommentaren hatte der unternehmungslustige Privaturlauber Faure schon bei seiner Pekinger Visite lästige Frager abgeschüttelt, aber der hochpolitische Kern seiner Mission blieb damals nicht lange verborgen. Daß Faure auch jetzt nicht zur Erholung in Moskau Station machte, dämmerte am vergangenen Wochenende selbst dem Leichtgläubigsten: Nikita Chruschtschow empfing den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten und unterhielt sich zwei Stunden mit ihm. Eine Botschaft General de Gaulles, so sagte Faure, habe er dem Kremlchef nicht überbracht. Aber eine bloße Höflichkeitsvisite hat er wohl kaum abgestattet.

Immerhin hatte Chruschtschow als politischer Gut-Wetter-Macher kräftig zum Gelingen der anstrengenden Urlaubsfahrt Faures beigetragen. Seit Wochen kommentiert die Sowjetpresse – von den französischen Kommunisten neuerdings tatkräftig sekundiert – de Gaulles diplomatische Verstöße nach Lateinamerika und Asien mit wohlwollender Zurückhaltung. Erst war Podgorny in Paris, jetzt Chruschtschows Schwiegersohn Adschubej. De Gaulles Finanzminister Giscard d’Estaing war bereits in Moskau – und nun Faure. Als Vorreiter des Generals? R.R.B.