Mit dem amerikanischen Konzernen eigenen Fingerspitzengefühl, die Macht hinter "Understatements" zu verbergen, "hofft Ford stets im Kreise derer zu schwimmen, die weiter mitmachen können". (DIE ZEIT Nr. 14)

Sie haben schon häufig auf die unterschiedliche Finanzkraft der großen amerikanischen Konzerne im Vergleich zu großen europäischen Konzernen hingewiesen. Es wird allmählich Zeit, daß Sie die Gewinne, Umsätze und Investitionen von General-Motors und Ford denen von Volkswagen und Daimler-Benz gegenüberstellen und die Bedeutung dieser unterschiedlichen Leistungen Ihren Lesern vor Augen führen.

Der Generalangriff der Amerikaner in Europa hat begonnen und er fällt General Motors und Ford um so leichter, als zu Hause – in den USA –, alles in Ordnung ist. Der Markt und die Produktion sind gesichert. Die Absatzzahlen der nächsten Jahre dürften sich in den Grenzen der fetten Jahre 1962/63 halten. Wo jetzt rasch und sicher verdient werden kann, ist in Europa.

In den USA wurden 1963 7,5 Millionen PKW einschließlich den importierten Wagen zugelassen. In der ganzen übrigen Welt – oder wie die Amerikaner so nett sagen: in the rest of the world – dagegen nur 9,4 Millionen. Der Chrysler-Konzern, der in den USA nur 13 Prozent des Marktanteils hat, und sich wohl keine größere Steigerung errechnet, hat kürzlich klar ausgesprochen:

"Wir haben viel Geld für Investitionszwecke und wir versuchen, es dort anzulegen, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Entweder im entwickelten Westeuropa oder in anderen sich entwickelnden Teilen der Welt."

In den zwanziger Jahren hätten wir noch Sorge haben müssen, daß die Amerikaner, wenn sie mit einer solchen Finanzkraft in einen Markt steigen,ihre Konkurrenten entweder zur Strecke bringen oder zu einem raschen Arrangement durch Übernahme der Aktienmajorität zwingen. Heute schützt M. de Gaulle Europa vor der amerikanischen Überfremdung.

Manchem von uns Deutschen mag es aus politischen Gründen vorteilhaft erscheinen, wenn die westdeutschen Automobilproduzenten allesamt Töchter Detroits würden. "Ausländische Kapitalinvestitionen sind das größte Unterpfand in den Glauben an Wohlstand und Sicherheit des Gastlandes" sagte kürzlich US-Botschafter Brown und fügte beruhigend hinzu, daß die US-Investitionen in der Bundesrepublik Deutschland nur 3-4 Prozent des gesamten deutschen Investitionsvolumens ausmachten.