Auch der Geschäftsbericht für 1963 der Deutsche Länderbank AG, Berlin-Frankfurt, regt die Phantasie an: Gar wenig wird im Vorstandsbericht gesagt, gar viel kann aus den Zahlen des Rechenwerks gemutmaßt werden. Der Gewinn ist mit 0,57 Millionen Mark gleichgeblieben. Wo bleibt da der Erfolg des überschäumenden Rentengeschäfts von 1963, an dem die Bank, deren Geschäftsvolumen einerseits zu mehr als der Hälfte auf dem Effektengebiete liegt und andererseits nennenswert im Verkehr mit der Schweiz abgewickelt wird, unzweifelhaft beteiligt war? 64 Prozent des Kapitals von 9,579 Millionen hält die Internationale Industrie- und Handelsbeteiligungen AG, Basel, während die restlichen 36 Prozent bei einem Konsortium Schweizer Großbanken liegen. Unverändert bleibt auch die Dividende von 6 Prozent.

Auf ein lebhaftes Geschäft deutet freilich die auf 134,05 (109,52) Millionen ausgeweitete Bilanzsumme und die 18,86 (10,52) Millionen darüber hinaus weitergegebenen Wechsel. Aber was hat den Aufschwung gebracht? Ein Blick auf die Verdienstseite in der Bilanz zeigt, daß sich die kurzfristigen Kredite auf 50,84 (31,64) und die langfristigen Ausleihungen auf 3,02 (1,59) ausweiteten. Das muß aber nicht unbedingt heißen, daß die Bank im Berichtsjahr, sagen wir, das Industriefinanzierungsgeschäft lebhafter als sonst betrieben hat. Ohne die entsprechende Erläuterung im Vorstandsbericht bleibt der Vermutung freier Raum, daß die Kunden mit diesen Krediten die damals noch viel niedriger im Kurs stehenden deutschen Aktien gekauft haben oder aber die reichlich fließenden Sechsprozenter. Hätte es einer getan, so könnte er heute dieses zweiseitige Geschäft mit gutem Gewinn liquidieren.

Die Einlagen der Bank haben sich auf 64,38 (45,01) Millionen erhöht, darunter die Termineinlagen auf 57,45 (36,31). Stark steigende Kredite stehen meist auch mit merklich zunehmenden Einlagen in Verbindung. Diese Interdependenz erklärt sich damit, daß eingeräumte Kredite nicht immer gleich abgerufen werden. Lebhafter ist auch das Wechselkreditgeschäft gewesen (das wohl schwerlich mit dem Wertpapierkredit in Verbindung zu bringen sein wird). Das lebhaftere Börsenjahr 1963 hat es der Bank erlaubt, etwas von den 15,30 (17,61) Effektenbeständen herunterzukommen. Das ist besonders bei den 10,95 (13,03) börsengängigen Dividendenwerten zu

Anhaltspunkte für den zweifellos besseren Ertrag sind nur auf Umwegen zu erreichen. Auf den ersten Blick deuten die "sonstigen Aufwendungen und Steuern" von 3,62 (4,64) auf ein mäßigeres Ergebnis. Steuern wurden aber auch aus Rückstellungen beglichen, die auf 10,66 (15,25) Millionen sanken. Das ist wesentlich mehr als die Minderung der Steuern in der Ertragsrechnung. Also: Mehr Steuern, mehr Gewinn.

O. E.