Im Jahre 1962 hat Henry Jaeger seinen ersten Roman vorgelegt. Die Kritiker haben ihm Begabung und Zukunft vorausgesagt. Ein Jahr später erschien sein zweites Buch –

Henry Jaeger: "Rebellion der Verlorenen"; Verlag Kurt Desch, Wien / München / Basel; 400 S., 19,80 DM,

und vermutlich wird keiner leugnen, daß er sich als erstklassiger Erzähler bestätigt hat.

Sein Roman besitzt eine handfeste Fabel, eine beklemmend überzeugende Atmosphäre und alle Vorteile der konventionell geschlossenen Form: Situationen und Charaktere sind bestimmt, die Dialoge genau und ohne Übertreibung oder Sentimentalität, und logisch entwickelt sich eine Szene aus der anderen.

Das ist die Handlung: Ein junger Mann kehrt nach fünf Jahren Fremdenlegion wieder heim in seine deutsche Durchschnitts-Heimatstadt. In Afrika und Indien hat er das Töten und Überleben gelernt. Seine Familie begrüßt ihn mit mäßiger Freude. Der Vater, alt und resigniert, ist Toilettenmann geworden, der ältere Bruder Langstreckenläufer mit Olympiachancen, der jüngere Anonymus in einem Büro und die Geliebte eine brave Briefträgersgattin. Leere begrüßt ihn, und Ziellosigkeit macht ihn nervös und aufsässig. Mit dem Läufer zusammen überfällt er eine Bank; der Raub glückt, doch er erschießt einen Mann. Sie können fliehen, vergraben ihre Beute, werden aber mit der Tat nicht fertig. Der jüngste Bruder fährt sich zu Tode, der Läufer rettet sich in eine Ehe mit seiner früheren Freundin, der Vater erhängt sich, als er die Wahrheit erfährt, und der Legionär wird von der Geliebten verraten.

Jaeger liebt die Genauigkeit. Er gibt alles so präzise wie möglich wieder, er will auch das Unglück genau darstellen und braucht dazu die Außenseiter, Bindungslosen, die "Verlorenen", die schon erfahren haben, daß selbst der Geschmack des Sieges und des tödlichen Abenteuers fade ist und ebensowenig wie die Liebe die Unruhe zu stillen vermag.

Das scheint die weiße Linie zwischen Nur-Unterhaltungsliteratur und allem anderen zu sein: Wer den Lesern nur die Zeit vertreiben will, kann tun, was ihm gefällt. Wer dagegen am Leben interessiert ist und an den Menschen und der Sprache, hat keine Wahl. Er muß auch im Unterhaltungsroman der Wahrheit folgen.