Als Ihn Saud, der Begründer des nach ihm benannten ölreichen Wüstenkönigtums auf der Arabischen Halbinsel, vor zehn Jahren im Sterben lag, gelobte ihm sein Sohn Feisal in die Hand, er werde niemals seinen Bruder Saud verraten. Saud wurde von dem sterbenden König als Nachfolger, Feisal als Kronprinz eingesetzt. Am letzten Ostermontag hat Feisal sein Versprechen gebrochen. Er entmachtete seinen Bruder.

Allerdings ist er seinem Schwur nicht ganz untreu geworden: Trotz jahrelanger Machtkämpfe mit seinem reaktionären Bruder übte er niemals Gewalt. Vor fünf Jahren war der reformfreudige, prowestliche Feisal, mit Hilfe seiner jüngeren Brüder, Ministerpräsident geworden. Saud sollte nur noch herrschen, nicht regieren. Im letzten Herbst jedoch, nach monatelangem Aufenthalt in europäischen Kurorten, flog Saud samt Harem und Hofstaat überraschend nach El Riad zurück und residierte seitdem wieder in seinem märchenhaften Nassirijah Palast, der mit seinen Swimming-Pools und Reitställen 160 Millionen Mark gekostet hat.

Zu einem heftigen Streit war es erst noch unlängst gekommen, als der König seine Unterschrift unter das neue Budget verweigerte. Feisal wollte, zugunsten der Volkserziehung und der Sozialfürsorge, die Ausgaben des Hofes rigoros kürzen. Sauds Söhne, längst aus allen Ämtern verdrängt, fürchteten um ihr Wohlleben. Drohend schrieben sie ihrem Onkel Feisal, daß sie entschlossen seien, um den Thron "einen Wall aus ihren Körpern zu bilden". Ihr Vater rief 70 000 Stammeskrieger, die seine Geldzuwendungen schätzten, zum Kampf auf. Auch Feisal mobilisierte Truppen.

Während einer nächtlichen Kabinettssitzung stellten sich die meisten Prinzen und die Armee hinter den Kronprinzen. Damals hätte er zuschlagen können, doch er zögerte und gestattete dem König sogar die Reise zur arabischen Gipfelkonferenz nach Kairo. Wahrscheinlich wollte der geduldige, schlaue Feisal noch mehr Stammesfürsten auf seine Seite ziehen.

Nun hat König Saud kapituliert. Zwölf Moslem-Oberhäupter erklärten den 61jährigen, kränkelnden, fast blinden Monarchen für regierungsunfähig. Sein Titel blieb ihm. Wie es heißt, wird er sich bald freiwillig nach Griechenland ins Exil begeben. Feisal ist der unumstrittene Herr im Land: Vizekönig, Regent und Regierungschef. Sauds 1500 Mann starke Leibwache wurde ihm unterstellt, sein Hofstaat aufgelöst, das Jahreseinkommen Sauds von 160 auf 80 Millionen Mark verringert. "Das ist eine glückliche Wende für die Bewohner Saudi-Arabiens und auch für die Ölgesellschaften", freute sich eine amerikanische Zeitung. (Das Land ist nach Kuwait der größte Ölproduzent im Nahen Osten.)

Ob auch Präsident Nasser sehr erfreut ist, muß indessen bezweifelt werden. Mit Saud hatte er sich im Januar ausgesöhnt, aber der König hatte mehr versprochen, als er halten konnte. Die Gegensätze wegen des Bürgerkriegs im Jemen wurden bisher nicht ausgeräumt: Saudi-Arabien unterstützt weiterhin die Royalisten, Nasser mit 20 000 Soldaten die Republikaner. Für diesen Monat hat sich Feisal zu neuen Verhandlungen in Kairo angesagt. Er wird härter denn je verhandeln können...