Die Stadtväter von Wattens, einer kleinen Gemeinde bei Innsbruck mit einer stattlichen Glasindustrie, haben ihre Steuereinnahmen gut angelegt. Sie bauten Hunderte von neuen Wohnungen, eine Wasserleitung mit einem Kraftwerk, verbreiterten und beleuchteten die Straßen, kanalisierten den gesamten Ort, errichteten ein neues Rathaus, und als Glanzpunkt des gemeindlichen Wirtschaftswunders schließlich ein Alpenbad, ein Schmuckkästchen für Badefrösche, wie man es weit und breit suchen muß.

Das Bad kostete die Gemeinde die beträchtliche Summe von einer Million Mark und wurde in zwei Jahren erbaut. Der Bau war nicht einfach; der Inn-Fluß machte Schwierigkeiten, dessen Grundwasserspiegel hier bereits ein Meter unter der Erde beginnt. Man setzte deshalb die Schwimm- und Badebecken auf Pfeiler und schuf darunter Platz für Autos.

Weil das Sprungbecken sogar vier Meter über dem Rasen liegt, verband man das Originelle mit der Attraktion und errichtete an der Stirnseite des Beckens ein Unterwasser-Restaurant. Hier sitzt man zu ebener Erde bei Wein oder Kuchen mit Kaffee und sieht, wie in ein Aquarium, durch die dicken Glasscheiben den Schwimmenden zu oder beobachtet die Springer beim Untertauchen und Emporschnellen. Und Scheinwerfer sorgen auch bei Nacht dafür, daß man passiv die Badefreuden genießen kann. Wem das nicht gefällt, dem bleibt der weite Blick auf die Alpen. E. K.