Ferien sind schön – wenn man die Frage beantworten kann: "Was fange ich in den Ferien an?" Der erste Titel gehört einer Ferienfibel für Mädchen, der zweite dem gleichen (mit entsprechenden kleinen Abweichungen versehenen) Buch für Jungen. Beide beweisen, wie hübsch, wie unauffällig lehrreich, wie fesselnd, wie vielseitig man junge Leute dazu bringen kann, mit Genuß zu verreisen. Die beiden Bücher beschämen all die geschäftstüchtigen Leute, die die Läden mit kostbar ausgestatteten, aber inhaltlich oft dürftigen und zusammengeschluderten Druckwerken verstopfen. Sie sind billig (je 5,40 Mark), und sie sprechen vom Wandern ebenso wie vom Reisen mit Moped, Auto, Flugzeug, Schiff, Fahrrad, Boot. Man findet Angaben über Geographie, Muscheln, Schiffe, Seezeichen, eine Einführung in die Tauchersprache, Kunststile, Dorfformen, Vegetationsstufen der Alpen, Hinweise fürs Bergsteigen, Angeln, Preiskalkulation, Kofferpacken, Orientieren, Kochen im Freien. Es gibt Ski- und Eislaufregeln, Tips zum "Messen und Schätzen", Knoten schlingen, für Erste Hilfe und die Beobachtung von Naturerscheinungen, eine Windstärke- und Seegangsskala; es wird sogar gezeigt, wie man Tiere anfaßt und Freiluftspielzeug bastelt. Wo ist da der Erwachsene, der beim Verschenken nicht die Lust verspürte, sich dieses Buch selber einzustecken – vielleicht, um die "Speisekarte à la Neandertaler" (im Mädchenexemplar) zu probieren, zum Beispiel "Ei am Spieß": "Spieße ein Stäbchen vorsichtig durch die Eipole. Das Ei nicht zu fest drücken und kein großes Loch bohren., Ein bißchen Eiweiß wird vielleicht herauslaufen, aber in der Gluthitze schnell gerinnen. So kann das Ei über der Glut hängen und kochen, bis es hart ist." Über so viel Verlockungen ist man beinahe geneigt, den Autoren Paula und Klaus Franken die falschen Imperative zu verzeihen: werfe statt wirf, und nehme, gebe, messe! (Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf; je 192 S., ca. 100 Abb.)

Fernab von "Neandertaler-Genüssen" findet sich der Gaumen, der Fernweh hat, wieder, wenn er den "kulinarischen Reiseführern des Rascher-Verlages in Zürich und Stuttgart folgt. Zuletzt sind erschienen: Carry Gräfin von Limburg Stirum "Wir essen gut in Amsterdam", Alexander Watt "Aus Pariser Bistro-Küchen" und vom gleichen – englischen – Verfasser die originellere "Französische Kochkunst auf einfache Art". Die Idee ist attraktiv: Er besuchte die Inhaber von acht berühmten Pariser Eßlokalen (darunter vier "Drei-Sterne-Häuser") und ließ sich von ihnen erzählen, was sie im Hinterstübchen zu genießen pflegen. Und das sind zum Beispiel Kartoffelpuffer, Kartoffelbrei, gedünstete Tomaten, Lauchsuppe, Eier in Kapernsauce... Es gibt noch mehr, auch Feinschmecker-Rezepte, kleine "Kniffe", Küchenphilosophisches und die leider affektierte Sitte, französisch Oeuf zu schreiben statt Ei, und flambé statt flambiert, und Roux statt Mehlschwitze. Soll das fein sein? Zu preisen ist in allen Bänden der Stadtplan, in dem die Lokale gekennzeichnet sind, die ihre Rezepte preisgegeben haben (um 13 Mark). m. s.

Sich als Erwachsener Jugendträume zu erfüllen – das ist verlockend und stimmt zugleich ein wenig melancholisch. Als Raubritter auf einer Burg zu hausen oder in einem Rokokoschlößchen Hof zu halten – das zauberte man sich früher mit Phantasie und einem Märchenbuch. Heute braucht man nur noch eine Brieftasche dazu. Immer mehr Burg- und Schloßherren gingen in den letzten Jahren dazu über, ihre Besitztümer wirtschaftlich zu nutzen und in Hotels umzuwandeln. Wer sich im Urlaub oder auf Geschäftsreisen einmal als Ritter oder Graf fühlen oder sich hinter klafterdicken Mauern zwischen Hellebarden und Ritterrüstungen erholen will, für den ist der im Bertelsmann Verlag erschienene Führer "Rast auf Burgen und Schlössern (28 Mark) eine nützliche Anleitung. In dem gut ausgestatteten Band werden 135 Burg- und Schloßhotels in Deutschland, Österreich, Südtirol, den Niederlanden und der Schweiz vorgestellt. In der Beschreibung sind neben der Historie auch Bettenzahl, Gastronomie und Preisgruppe angegeben. Nach dem Enthusiasmus des Reiseführers zu urteilen, sind die heutigen Schloß- und Burgherren nach Kräften bemüht, ihren Gästen den Stil ihrer Ahnen so angenehm wie möglich zu machen. Für den, der es sich auf den Burgen nicht gutgehen lassen will, sondern sich auch für ihre Geschichte und Entwicklung interessiert, erschien von Werner Meyer: "Den Freunden ein Schutz, den Feinden zum Trutz", eine Kulturgeschichte der deutschen Burg (Verlag Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main, 32 Mark).

Autokarten geben den schnellsten und geradesten Weg zum Urlaubsziel an, an den Schönheiten der Landschaft führen sie jedoch zumeist vorbei. Im Bertelsmann Verlag erschien jetzt ein Begleiter für Autofahrer: "Schöne Urlaubsstraßen in Europa" (28 Mark). In vierzehn europäischen Ländern wird je eine Straße beschrieben, auf denen sich die Autofahrer zu Reisekünstlern ausbilden können. N. G.

Mit einem Fleiß sondergleichen sind die Materialien zu zwei Büchern zusammengetragen und wissenschaftlich akkurat geordnet (und formuliert) worden, die Reisenden mit Sinn für geschichtliche Stationen gut anstehen: Es handelt sich um das "Handbuch der historischen Stätten Deutschlands in Niedersachsen/Bremen (488 S., 47 Abb., 15 Mark) und Nordrhein-Westfalen (742 S., 23 Abb., 22 Mark). Sie beginnen jeweils mit einer geographisch-politischen Einführung und einem historischen Überblick und gehen dann in alphabetischer Ordnung auf die wichtigsten Städte, Dörfer, Marktflecken Klöster, Burgen, auf Schauplätze und Denkmäler geschichtlicher Ereignisse ein: gleichsam eine Kette von lokalen Kurz-Historien. Das ist anregend und manchmal sogar kurzweilig zu lesen. Unklar bleibt nur, was schon Geschichte ist und was noch nicht. Wohl sind (zum Beispiel) Baudenkmäler von Leo von Klenze und Laves genannt, nicht aber von Gropius (in Alfeld). Die Handbuch-Reihe enthält noch die folgenden Bände: Schleswig-Holstein/Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Baden-Württemberg, Bayern.

Man wiegt es skeptisch in der Hand, blättert zwischen "Burgen", "Volkstrachten", "Staatsführung", "Hispano-amerika", "Literaturpreise" und "Nationalplan für Wohnungsbau", ergötzt sich an bunten Bildern (die manchmal anderes zeigen als sie dem Text zufolge sollten), und liest sich zunächst einmal fest: "Spanien" auf 290 Seiten für 100 Peseten oder 1,70 Mark, ein bißchen knapp in Leinen gebunden, so daß sich der Deckel wölbt. Das Buch gehört zu jenen "offiziellen" Werken, die von Staats wegen gedruckt und möglichst weit verbreitet werden. Wer hier indessen mit gehöriger Skepsis liest, kann eine Menge über Land und Leute erfahren – wenngleich sich manches holprig liest, eindeutig einseitig und ein bißchen naiv. Das ist das amtliche Spanien, nicht das wirkliche (Servicio Informativo Espanol, Madrid). – k

Alljährlich spielen die Franzosen im Frühjahr das gleiche Spielchen, sie zählen die Sternchen und vergleichen: "So, ein Stern weniger; sieh, der hat einen dazubekommen." Für das Spiel genügt es, sich den neuen Guide Michelin 1964 zu besorgen, auf dessen rotem Umschlag ein pummeliges Männchen einen Reifen rollt. (Guide Michelin 1964, mit deutschen Zeichenerklärungen, 13,50 Mark, deutsche Auslieferung über Zumsteins Landkartenhaus, München, Allgäu-Verlag). Der Führer durch Frankreichs Hotels und Restaurants mit genauen Angaben, ob Hunde mitgebracht werden können, ob es einen Parkplatz gibt, ob das Radio während der Tischzeiten angestellt ist und ob jene Sehenswürdigkeit einen Umweg verdient, ist wie eh und je exakt, übersichtlich und wie alle Jahre vorher ... ungerecht. Denn das Lieblingsrestaurant, das nur Platz für zwei Tische und acht Personen hat, versteckt in einem kleinen elsässischen Dorf mit dem blumigen Gewürztraminer ist wieder nicht aufgeführt.