Von Roman Braun

Alexander Solshenizyns Erzählung "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" hat – vor einem Jahr gleich in zwei deutschen Übersetzungen erschienen – auch im Westen einiges Aufsehen erregt. Stalins Straflager gehörten bis zum Zweiundzwanzigsten Parteita; zum Tabu für sowjetische Schriftsteller.

Doch hat Solshenizyn für sein erzählerische; Debüt nicht nur ein bisher sorgsam gemiedene; Thema gewählt, sondern auch eine wirkungsvolle Form, seine Analyse des "Mißbrauchs der Macht" darzutun: Unaufdringlich, aber in jede-Zeile fesselnd beschreibt er einen einzigen, gewöhnlichen Arbeitstag im Lager, damit aber – für Iwan Denissowitsch beispielsweise – 3650 solcher Tage und mehr, und zwar in der schlichten Sprache des Iwan D. Schuchow, eines Bauern, dem "sozialistisches Bewußtsein" ebenso abgeht wie jedes sonstige politisch-ideologische Verständnis, auch das seines "Verbrechens" (nämlich in Kriegsgefangenschaft geraten zu sein). Ihr Stil hebt diese Novelle vor den Klischees ideologischer Erziehungsromane ab

Nun dürfte trotzdem ideologisches "Engagement" auch in Zukunft verlangt und offiziell prämiiert, undogmatischer "Formalismus" auch weiterhin gerügt werden. Dennoch, es macht sich mehr und mehr die Tendenz bemerkbar, der persönlichen, privaten Sphäre größere Bedeutung beizumessen und dafür neue, mindestens andere Aussageformen zu finden als bisher.

Zwei jetzt ins Deutsche übersetzte Erzählungen junger sowjetischer Autoren bestätigen diese Beobachtung eindrucksvoll.

Dem Thema "Zweiter Weltkrieg" gilt die Prosaarbeit von

Bulat Okudshawa: "Mach’s gut", aus dem Russischen von Ludwig Zimmerer; Henssel Verlag, Berlin; 124 S., 7,80 DM.