Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK SENDER FREIES BERLIN

Montag, 23. März, das Panorama:

Man sagt, einem Ertrinkenden ziehe während der kurzen Spanne, bis ihm die Sinne schwinden, sein ganzes Leben wie ein zeitraffender Film vorüber. Das war hier nicht gemeint. Das amüsante Bildungspanorama – von Brigitte Granzow und Felix Rexhausen für das Dritte Programm montiert – war ein herrlicher Spaß. Nicht, was einem Ertrinkenden einfällt, war es, sondern was einem zum Begriff des Ertrinkenden im wörtlichen und übertragenen Sinne einfallen kann.

Hatten sie einmal diese Idee, so brauchten die beiden Monteure nur zuzugreifen. Denn alles ist zum Beispiel voller Wasser, zu siebzig Prozent der Mensch selbst, über dem die Wogen zusammenschlagen – sei es als schlichtes H2O, sei es als Überwältigung oder Überzeugung, als Ekstase oder Terminkalender, Leidenschaft – schlichtes Gefühl oder Laster, als Aufgeben des Widerstandes, als Amoklauf gleich dem des Michael Kohlhaas, als Wahn, als Wahnsinn.

Und voller Wasser – wiederum als einfaches H2O oder in übertragenen Bedeutungen – sind Politik und Musik, Naturwissenschaften und allgemeines Leben: Badewanne, Lethe, Rausch und Rauschen.

Der Mensch, der ins Wasser fällt, erst schwimmt, dann versinkt, dann sich wehrt, dann nicht mehr widerstrebt und schließlich untergeht, gab die Zwischentexte: von "das Wasser will ihn – es ist die fremde gefürchtete Macht" bis "das Wasser wollte ihn, und der Ertrinkende ist jetzt der Ertrunkene". Grundstrom des Ganzen: der Mensch und was ihn so treibt – denn, hat man einmal dieses Thema gepackt, stellt sich heraus, daß alles fließt. R. H.