Um drei Personen drehte sich dieser Prozeß hauptsächlich: um Vera Brühne, um ihren Bekannten Praun, den sie um eines Hauses in Spanien willen ermordet haben sollte, und um Johann Ferbach, den Bekannten aus Kriegszeiten, den Vera Brühne zur Mittäterschaft veranlaßt haben sollte.

Wie stehen diese drei Personen da vor dem Gericht, vor der Öffentlichkeit? Aus welchem Grunde wirken sie glaubhaft oder unglaubhaft, erwecken sie Sympathien oder Antipathien? Fragen, die schließlich bei einem Indizienprozeß nicht unwichtig sind.

Da war zunächst Johann Ferbach, ein bißchen linkisch und ungehobelt, der Rede nicht recht mächtig, alles in allem: sympathisch. Gegen ihn sprach eigentlich nur seine Bekanntschaft mit Vera Brühne.

Wie er dazu kam? Ein Zauberwort bot sich hier an, ein Hexenwort, unübertrefflich in seiner Wirkung, die Erklärung und captatio benevolentiae zugleich ist: Er war ihr hörig. Von der Staatsanwaltschaft („Welt“ vom 28. April 1962) in die Debatte geworfen, nahm das Volk es gierig auf, wiederholte es mit fröstelndem Rücken und sprach jenen Willenlosen, der von einer Frau so völlig verhext worden war, im Geiste frei.

Dann war da Dr. Praun, ermordet, von wem auch immer. Praun war, laut dem Zeugen Stoiber, ein fleißiger und vor allem lebensbejahender Mann. Nun, so kann man’s auch nennen. Von Prauns intimeren Bekannten weiblichen Geschlechtes wurden im Verlauf des Prozesses immerhin vier ganz en passant genannt: Vera Brühne, Elfriede Kloo, Jo Weigand, Elfriede von Duisberg.

Die Erkärung für diese Freude an der Abwechslung, die einem bei diesem rundherum als Ehrenmann apostrophierten Arzt vielleicht erstaunen mag, lautete: Er heiratete nicht, weil er geschieden war und für eine neue Ehe keinen Dispens bekam. Ein strenger Katholik.

Praun war laut Zeugenaussage „empfindsam und treu“, so empfindsam, daß er sich zum Beispiel weigerte, die Stadt Würzburg zu betreten, weil seine Mutter dort während des Krieges umgekommen war. Daß diese treue und empfindsame Seele der jeweils aktuellen Dame zur besseren Untermauerung der Zuneigung den spanischen Besitz in anheimelnden Farben schilderte – was half es? De mortuis nihil nisi bene.