Von Marion Gräfin Dönhoff

In der vorigen Ausgabe der ZEIT analysierte Gräfin Marion Dönhoff die "Neue ökonomische Politik" der DDR: die große Entdeckung der Rentabilität. Heute schildert sie Eindrücke zu diesem Thema und gibt Gespräche wieder, die sie sowie R.W. Leonhardt und Theo Sommer während ihrer Reise führten.

Im Empfangsraum der Optima in Erfurt sitzen wir dem Werksleiter Stetefeld gegenüber. Zu seiner Rechten hat der Parteisekretär, also der Chef der SED im Werk, Platz genommen, zu seiner Linken der Technische Direktor und ein weiteres Direktionsmitglied.

"Was wird sich für Ihren Betrieb ändern, Herr Stetefeld, wenn die Neue ökonomische Politik durchgeführt wird?"

"Am 1. April beginnt die Industrie-Preisreform. Bisher deckten die Preise vieler Erzeugnisse der Grundstoffindustrie, zum Beispiel Kohle und Energie, nicht die gesellschaftlich notwendigen Kosten ..."

"Die gesellschaftlich notwendigen Kosten – sind das die Selbstkosten?"

"Ja, das kann man sagen. Die Differenz hat bisher der Staat zugeschossen."