Rosemarie Winter: "Der Betrieb braucht einen Beichtvater", ZEIT Nr 13

Zu Ihrem Artikel, der sich mit dem Thema "Menschlicher Kontakt und Betriebsverfassungsgesetz" beschäftigt, einige Bemerkungen: Der Versuch der Einführung einer sozialen Betriebspolitik, die alle Menschen im Betrieb erreicht, und die sich zudem nicht nur auf ein Gesetz oder eine Betriebsvereinbarung stützen kann, muß das Ziel der "Institutionen" des Betriebes sein. Isoliert von Verbänden der Arbeitnehmer und der Unternehmer und ihren betriebs- und gesellschaftspolitischen Auffassungen, wird eine sozialere Betriebspolitik allerdings nicht geleistet werden können. Wer "Beichtvater" im Betrieb ist oder wer die Werkszeitschrift macht, darf nicht nur für eine Seite interessant sein.

Die Formen guter Zusammenarbeit zwischen Belegschaftsvertretern und Vertretern der Unternehmensleitung im Wirtschaftsausschuß, die hier und da erreicht wurden, verdienen gewiß Beachtung. Aber in vielen Fällen ist es noch zu keinem günstigen Ergebnis gekommen. Oft genug teilen Vertreter der Unternehmensleitungen lieber verklausuliert in den relativ seltenen Betriebsversammlungen "Neues" mit, als daß sie den Vertrauenspersonen des Betriebsrates und der Belegschaft für ihre Betriebsarbeit geeignete Informationen geben. Oder diese Vertrauenspersonen werden zur strengsten Schweigepflicht im Interesse des Unternehmens ermahnt.

Lothar Thielemann, Köln-Zollstock

Wolfram Pohl: "Die Bundesrepublik soll helfen", ZEIT Nr. 13

Ihr Artikel über den Wunsch der Sowjetzone, im Rahmen des Interzonenhandels vier Jahre hindurch jährlich 100 000 Tonnen Stickstoff düngemittel im Werte von 80 Millionen Mark aus der Bundesrepublik zu beziehen, geht von der Annahme aus, daß die Zonenlandwirtschaft unzureichend mit Dünger versorgt sei. Es sei der wichtigste Dünger herausgegriffen. 1962 wurden je Hektar Nutzfläche in der Zone 40 kg N aufgewandt. 1935/38 32,6 kg N. In Westdeutschland 1961 43,4 kg N. Bei den erstaunlich niedrigen Ernteerträgen in der Zone also eine überreichliche Versorgung mit Stickstoff. Es ist verständlich, daß Ulbricht Düngermangel anführt, um von der Tatsache abzulenken, daß das kommunistische System in der Zonenlandwirtschaft in einem Umfang versagt, der einfach rätselhaft ist. Schwer verständlich ist es jedoch, daß Sie sich diesem Verschleierungsversuch anschließen, wo Sie weiter unten die richtigen Gesamtzahlen anführen.

Aus den gleichen Motiven wie Ulbricht hat Chruschtschow im ZK den Düngermangel hochgespielt. Die russische Landwirtschaft hat im verflossenen Jahr 1,1 Millionen Tonnen N aufgewandt. Eine beachtliche Menge angesichts der Tatsache, daß noch vor 15 Jahren dort Kunstdünger fast unbekannt war.