Erzbischof Makarios von Zypern gab Türken, Briten und den UN-Schiedsrichtern eine neue Nuß zum Knacken: Am Wochenende kündigte er den Allianzvertrag mit Griechenland und der Türkei. Dieser Vertrag, als Artikel 181 Bestandteil der zypriotischen Verfassung, erlaubte beiden Staaten, Truppen auf der Insel zu stationieren (950 Griechen, 650 Türken).

Als Grund für die einseitige Kündigung nannte der Präsident de Weigerung der türkischen Truppen, in ihre Kasernen zurückzukehren. Nach den Weihnachtsunruhen waren sie in den Nordteil der Insel ausgerückt, um die Hauptstraße, die vom Hafen Kyrene durch das Gebirge zur Hauptstadt Nikosia führt, zu sichern. Diese Straße wire das Einfallstor für eine Invasion türkischer Truppen, die in den letzten Monaten schon dreimal bevorstand. Da die Kämpfe zwischen Griechisch- und Türkisch-Zyprioten andauern, blieben die türkischen Soldaten im Feldlager.

Während die griechische Regierung mit Makarios einer Meinung ist, will die Regierung in Ankara der NATO-Rat anrufen, da das Truppenkontigent auf Zypern der NATO unterstellt ist. Makarios hat schon einen Gegenzig geplant: Appell an den Weltsicherheitsrat. Außerdem sperrte er dem türkischen Kontingent Strom, Wasser und Proviant. Einen unmittelbaren Angriff auf die Türken darf er nicht wagen, da dann ein Krieg die automatische Folge sein würde.

Nichts hindert ihn jedoch, die Privilegien der türkischen Minderheit auf Zypern weiter zu beschneiden. Die drei verwaisten türkischen Ministerposten wurden mit Griechen besetzt. Unbekümmert um die Anwesenheit der UN-Truppe werden die Angriffe gegen türkische Stellungen fortgesetzt. Auch britische UN-Soldaten, die bei den Griechen wenig beliebt sind, wurden in die Kämpfe verwickelt; am Sonntag wurden sogar 20 britische Soldaten von Griechen entwaffnet.

Wieweit die antitürkische und antibritische Politik des Erzbischofs auch seine eigene Macht stützen soll, läßt sich nur erahnen. Immer lauter rufen Demonstranten in Nikosia nach General Grivas, vor 1959 legendärer Anführer der EOKA-Partisanen im Kampf gegen die Engländer, der sich in Griechenland "zu neuen Opfern" bereithält. Neuerdings verhehlt auch Makarios nicht mehr, daß er – ebenso wie Grivas – den Anschluß der Insel an Griechenland will: "Die ENOSIS ist der ernste Wunsch des Volkes von Zypern und – von mir selbst."