Manfred Schlenke: England und das friderizianische Preußen 1740–1763. Verlag Karl Alber, Freiburg; 436 Seiten, 44,– DM.

Diese sorgfältige Studie macht deutlich, daß im achtzehnten Jahrhundert britische Außenpolitik nicht nur eine Sache der Regierung war, sondern daß die öffentliche Diskussion, namentlich in Zeitungen, Zeitschriften und Flugschriften in der Willensbildung des britischen Staates eine bedeutende Rolle spielte. Beim Regierungsantritt fand König Friedrich in Großbritannien lebhafte Sympathie; man sah in ihm den humanen und modernen Herrscher. Kritische Stimmen waren selten. Aber die Geister schieden sich nach Friedrichs Einfall in Schlesien. Die einen bezichtigten Friedrich der moralischen Treulosigkeit, die anderen erblickten in ihm immer noch den vernünftigen und großmütigen Herrscher, der nur seine wohlbegründeten Machtansprüche wahrnahm.

Überdeckt wurde die nach moralischen Kategorien geführte Diskussion aber bald durch Erwägungen der Staatsräson. Man fragte sich, wer als Bundesgenosse gegen Frankreich vorzuziehen sei, Österreich oder Preußen. Immer mehr Stimmen entschieden sich für Preußen, dessen größere Stärke man richtig erkannte. Im Siebenjährigen Kriege erlebte Großbritannien eine wilde Preußenbegeisterung, wie sie einem heute ganz unwahrscheinlich vorkommt. Auch jetzt schwiegen Friedrichs Gegner zwar nicht, doch waren sie entschieden in der Minderheit.

Friedrichs Freunde konnten sich mit großem Vorteil für ihre Sache auch des konfessionellen Arguments bedienen. Daß er die protestantische Sache verteidigte, machte ihn der Mehrheit der Briten von vornherein angenehm.

Das Buch kommt, wie hier kurz gezeigt wurde, zu wichtigen Ergebnisse. Es ist aber auch methodisch bedeutsam, es bestätigt – worauf Schlenkes Schlußwort mit Recht Wert legt – Droysens Hinweise auf den Rang, den die Publizistik in der Quellenforschung einnimmt (oder einnehmen sollte). Immer mehr erweist es sich, daß man nicht mehr auskommt mit dem Durchstöbern der Archive. K. K.