Die NATO feierte die fünfzehnte Wiederkehr ihres Gründungstages mit gedämpftem Trommelklang.

In den anderthalb Jahrzehnten seines Bestehens hat der Nordatlantikpakt zwar die Freiheit und territoriale Unversehrheit seiner Mitglieder bewahrt. Zugleich jedoch hat sich der Zukunftshorizont der Allianz verdüstert. Das Vertrauensverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Europa ist erschüttert; die Rüstungstechnik hat ihm ebenso zugesetzt wie der französische Staatspräsident. Der seit Jahren schwelende Konflikt um die richtige Verteidigungsdoktrin ist bis heute nicht beigelegt, nicht einmal über das fällige Grundsatz-Dokument haben sich die Alliierten verständigen können. Noch gravierender jedoch: Auf die Frage nach der zweckmäßigsten Organisation der nuklearen Kontrolle innerhalb des Bündnisses hat noch niemand eine befriedigende Antwort gegeben.

An scharfsinnigen Diagnosen der organisatorischen Mängel bei der NATO fehlt es nicht. Wohl aber scheint es an dem politischen Willen zu fehlen, diesen Diagnosen auch die Therapie folgen zu lassen. Wenn sich das nicht bald ändert, muß man für die NATO, deren Laufzeit 1969 zu Ende geht, das Schlimmste fürchten. – ts