In Brasilien, nach dem Gouverneurs- und Militärputsch gegen die Regierung Goulart, schwang das Pendel weit von links nach rechts, und im Konflikt um den Panama-Kanal gab es nach drei Monaten eine Entspannung. Aber trotz des Szenenwechsels am Isthmus von Panama und an der Copacabana – sind die Probleme dort und im übrigen Lateinamerika die gleichen geblieben (siehe Karte).

Die Ursachen der blutigen Unruhen in Panama – der Haß auf die Yankees, die hohe Arbeitslosigkeit, die Propaganda aus Kuba – sind noch nicht beseitigt. Und in Brasilien ist die große Frage: Haben die Militärs geputscht, um die Verfassung zu schützen oder um sich und den Reichen einen Gefallen zu tun? Dem Zwang zu Land- und Sozialreformen kann sich dort kein Präsident, der die Massen zufriedenstellen will, auf die Dauer entziehen. Die Wirtschaft des Landes liegt im argen: Trotz des Booms auf dem Weltkaffeemarkt konnte Brasilien 1963 seine 592 Millionen Mark Außenhandelsschulden nicht bezahlen. Die Preise stiegen im letzten Jahr um mehr als achtzig Prozent, der Dollar-Kurs des Cruzeiro sank in zweieinhalb Jahren von 300 auf 2000. Der Zuwachs des Sozialprodukts verringerte sich von 7,7 Prozent 1961 auf 2 Prozent 963, gleichzeitig aber wuchs die Bevölkerung um mehr als zwei Millionen.

Antiamerikanisches Ressentiment und dauernde Rivalitäten von Politikern und Generalen machten viele hoffnungsvolle Ansätze der dollar-gesegneten "Allianz für den Fortschritt" wieder zunichte. Zuviele Probleme harren der Lösung: Von 1960 bis 1962 vermehrte sich die Bevölkerung Lateinamerikas um zwölf Millionen. 30 Prozent der 225 Millionen Einwohner kennen nicht einmal den Geldhandel. Ein Viertel muß sich mit weniger als 1000 Kalorien am Tag begnügen. (US-Durchschnitt: 3100 Kalorien.) Ein Drittel der Bewohner vegetiert in Slums dahin, ohne ärztliche Fürserge und in Lumpen gehüllt. In elf Jahren flossen aus dem Ausland 92 Milliarden Mark an privatem und öffentlichem Kapital n diesen Kontinent. Aber Südamerika ist nach wie vor ein armes Land.