Mit dem bevorstehenden Abschluß eines Vertrages zwischen der algerischen Regierung und zwei englischen Firmen über den Bau einer dritten Ölleitung tritt das seit der Unabhängigkeit anhaltende Tauziehen um die Herrschaft über das Sahara-Öl in eine neue und vielleicht entscheidende Phase ein.

Daß die Anlage einer dritten Pipeline, die das Ölzentrum von Hassi Messaoud mit der Hafenstadt Arzew bei Oran verbinden soll, zur dringenden Notwendigkeit geworden war, darüber war man sich schon lange im klaren. Es fragte sich nur, wer den Bau ausführen, wie er finanziert und wie die Besitzverhältnisse der zu gründenden Betriebsgesellschaft geregelt werden sollten.

Ursprünglich waren die Pläne für den Bau dieser neuen Ölleitung von TRAPAL, einem internationalen Konsortium von 16 (hauptsächlich französischen und amerikanischen) Ölgesellschaften, ausgearbeitet worden. TRAPAL hatte sich bereits am 15. Juni 1963 die prinzipielle Zustimmung der Regierung Ben Bella zu diesem Vorhaben gesichert.

Bei den anschließenden monatelangen Verhandlungen über die Besitzanteile konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, zumal die Algerier ihre Ansprüche ständig in die Höhe schraubten. Zuerst hatten sie nur 20 Prozent verlangt, die ihnen von dem Konsortium zugestanden wurden; dann beanspruchten sie 33 Prozent und zu guter Letzt sogar 51 Prozent, was von TRAPAL rundweg abgelehnt wurde.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen erklärte der algerische Wirtschaftsminister Bachir Boumaza am 24. Januar 1964, daß das Unternehmen nun ganz unter staatlicher Leitung durchgeführt werden sollte. Gleichzeitig wurde die Gründung einer algerischen Transport- und Vertriebsgesellschaft für Ölprodukte bekanntgegeben.

Woher will der algerische Staat, der seit seiner Gründung an chronischer Finanzschwäche leidet, die Mittel nehmen, um ein Unternehmen, das nach den Schätzungen der TRAPAL 350 bis 400 Millionen Francs kosten würde, zu finanzieren?, fragte man sich nach dieser Ankündigung skeptisch in Fachkreisen.