Die Frankfurter Bank, größter Geldhandelsspezialist der Bundesrepublik, hat zwar 1963 kräftig gesät, die erste Ernte wird sie jedoch erst am Ende dieses Jahres einheimsen. Sichtbarer Ausdruck der Expansion sind die 8,3 (1,7) Millionen Beteiligungen. Es wurden Anteile an folgenden Gesellschaften gekauft: Mittelrheinische Kreditbank Dr. Horbach & Co. KG, Mainz; Internationale Factors Deutschland AG & Co., Mainz; International Factors AG, Chur/Schweiz. Dafür hat die Frankfurter Bank 1,84 Millionen nominal junge Aktien den Horbach-Gesellschaftern überlassen. Die Bank hat damit Anschluß an eine internationale Factoring-Gruppe gefunden.

Natürlich, so formulierte der Vorstand vorsichtig, mangele es dem Factoring in Deutschland noch der notwendigen Popularität. Sieht man von einigen in Deutschland ansässigen Auslandsfirmen ab, so ist die Nachfrage noch nicht allzu groß gewesen. Der deutsche Unternehmer versteht unter Factoring vornehmlich den Verkauf von Forderungen, und genau davor scheut er sich, weil er um das Vertrauen seiner Geschäftspartner bangt. Dabei ist die Dienstleistungsfunktion des Factoring, also etwa die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens und des Inkassos weit wichtiger. Aber auch mit dem Gedanken, daß ein Teil der Kontaktpflege mit Kunden und Lieferanten von einem Dritten betrieben wird, muß sich der deutsche Unternehmer erst vertraut machen.

Auch die zweite Neuerung, nämlich die ersten fünf Zweigstellen des bislang filiallosen Instituts, hat noch nicht nennenswert zu Buch geschlagen. Dessen ungeachtet können aber die Aktionäre zufrieden sein. Sie erhalten unverändert 17 Prozent Dividende auf 26 Millionen Kapital, wovon allerdings 6 Millionen nur zu einem Viertel gewinnberechtigt sind. Der Vorstand ließ es nicht an zurückhaltenden Tönen fehlen. Sichteinlagen sind zurückgegangen, Termineinlagen dagegen stark gestiegen. Das habe Geld gekostet; die reichlich vorhandene Kredit-Großkundschaft feilsche hartnäckig um die Kontitionen, und der Geldhandel, das traditionelle Spezialgebiet, sei weniger lukrativ gewesen als 1962. Indes ist der Gewinn auf 3,97 (3,69) gestiegen, die Rücklagen erhalten 1,2 (1,9) und die stillen Reserven sind abermals wesentlich stärker dotiert worden als ein Jahr zuvor. O. E.