Von Rino Sanders

Lesen Sie lieber Geschichten, in denen die Leute Gamba, Beninca, Gigi und Rattatta Fleur d’Amour heißen, oder solche, in denen sie Namen wie Reinhardt, Günther, Friedhelm, Detlev tragen? Ich gestehe ohne Zögern: wenn sie von einem deutschen Autor stammen, ziehe ich die ersteren vor. Solche Namen geben auf alle Fälle der Phantasie etwas, wenn der Autor es schuldig bleiben sollte, und sie statten ihre Inhaber bereits mit einem Mindestquantum Individualität aus, ehe er, der Autor, dazu kommt.

Ich gehe weiter: Auch dem Autor widerfährt Ermunterung durch sie. Zudem pflegt er die Welt, in der diese Namen vorkommen, frischer und zugleich distanzierter zu sehen als die leidig gewohnte. Dabei muß es nun nicht Südfrankreich, es kann auch Schweden sein, wo Menschen Lef und Knud und Udo heißen.

Gedanken dieser Art muß man wehren, wenn man vor der Geschichtensammlung von

Hubert Fichte: "Der Aufbruch nach Turku"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 141 S., 11,80 DM

sitzt. Der Autor, 1935 zu Hamburg geboren, war tatsächlich in Frankreich und Schweden und hat, wie ich dem Klappentext entnehme, "einmal gesagt", er wolle Dinge aufschreiben, die ihm erzählt worden seien oder die er erlebt habe. Dabei wolle er mit der Sprache möglichst kärglich umgehen.

Sparsamkeit kennzeichnet nun diese Storys in jeglicher Hinsicht, es sind Beispiele prosaischer Kleinkunst. Es werden hier nämlich Personen nur so weit ansichtig, wie nötig ist, um eine Situation an ihnen zu befestigen, ein Ereignis mit ihnen zu rahmen, eine Eigenschaft zu lokalisieren.