Von E. Heinrich Kunze

Wählt man am Telephon die Nummer 90066061244470, so meldet sich die Zentrale eines Bankinstituts, von dessen Existenz und Tätigkeit die breite Öffentlichkeit kaum etwas weiß: Es ist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, kurz BIZ genannt. Wenn über diese Bank, deren Bilanzssumme rund sieben Milliarden Schweizer Franken beträgt, so wenig bekannt ist, so liegt das nicht zuletzt daran, daß sie selbst nicht sehr publizitätsfreudig genannt werden kann.

Die BIZ wurde 1930 gegründet, in einer Zeit, in der sich der Zusammenbruch der von den Alliierten des Ersten Weltkrieges gegenüber dem Deutschen Reich verfolgten Reparationspolitik abzeichnete und die ersten Signale der Wirtschaftskrise sichtbar wurden, in deren Strudel schließlich die ganze Welt gezogen wurde. Der Dawes-Plan, der dem damaligen Reich eine geradezu unvorstellbare Reparationslast aufgebürdet hatte, erwies sich als undurchführbar. An seine Stelle trat der Young-Plan, der die deutschen Verpflichtungen herabsetzte und "kommerzialisierte", unter anderem durch die Ausgabe internationaler Anleihen. Zur Erleichterung der technischen Abwicklung dieses neuen Planes wurde beschlossen, ein internationales Bankinstitut zu gründen, das sowohl amtlichen als auch kommerziellen Charakter haben sollte.

Auf der Konferenz im Haag im Januar 1930 beschlossen die Zentralbanken von Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und dazu eine Gruppe amerikanischer Banken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu gründen, und zwar in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Das Kapital, eingeteilt in 200 000 Namensaktien, wurde auf 500 Millionen Schweizer Goldfranken festgesetzt und war mit 25 Prozent einzuzahlen. Das Kapital der Bank ist seitdem nicht verändert worden, 125 Millionen Goldfranken sind eingezahlt.

Durch eine Änderung der Statuten im Jahr 1950 konnten auch andere Zentralbanken Aktien der BIZ übernehmen oder auch in ihrem Land zur Zeichnung durch das Publikum auflegen. Nachdem Japan 1952 auf alle Rechte verziehet und seine Aktien der BIZ an die bei der Gründung beteiligten Zentralbanken verkauft hatte, und nachdem die ursprünglich in amerikanischem Besitz befindlichen Aktien zum größten Teil an europäische Interessenten übergegangen waren, nahm die BIZ den Charakter einer europäischen Institution an.

Heute sind alle europäischen Notenbanken – ausgenommen die der Sowjetunion – Mitglieder der BIZ. Rund drei Viertel des Aktienkapitals befinden sich in der Hand der Zentralbanken, denen allein das Recht zur Teilnahme an der Generalversammlung und das Stimmrecht für alle in ihrem Land befindlichen Aktien zusteht. Die BIZ ist also gewissermaßen zu der Bank der Zentralbanken geworden.

Am 17. Mai 1930 nahm die BIZ ihre Tätigkeit in Basel auf. Die Haager Signatarmächte hatten mit der Schweiz ein Abkommen geschlossen, durch das der BIZ weitgehende Privilegien eingeräumt wurden, so beispielsweise Steuerfreiheit für alle ihre Geschäfte und ihr Personal. Besonders bedeutsam ist der Artikel 10: "Die Bank, ihr Eigentum, ihre Aktien sowie alle Einlagen und andere ihr anvertraute Werte sind in Friedens- und Kriegszeiten ausgenommen von allen Maßnahmen, wie Enteignung, Requirierung, Beschlagnahme oder Einziehung, Verbot oder Beschränkung der Ausfuhr von Gold oder Devisen und von allen anderen ähnlichen Eingriffen."