Diese älteste "naturalistische" Ansicht von Konstantinopel stammt aus dem Jahr 1559. Damals, zur Zeit des Sultans Suliman des Großen, hat ausgerechnet ein norddeutscher, sonst kaum bekannter Künstler, Melchior Lorichs aus Flensburg, den ein seltsames Schicksal in den Orient verschlagen hatte, auf 21 Blättern ein Gesamtpanorama von Konstantinopel gezeichnet. Wir entnehmen dieses köstliche Beispiel künstlerischer Topographie einem neuen Konstantinopel-Buch, in dem Philip Sherrard das "Bild einer heiligen Stadt" entwirft (Urs Graf-Verlag, Olten/Lausanne/Freiburg; 137 S. mit 58 teils farbigen Abb., 42,– DM). Ein hochinteressanter Versuch, Stadtgeschichte als Ideengeschichte zu deuten, den Mythos Byzanz in seinen wechselnden Phasen als das Neue Rom und das Neue Jerusalem aus schriftlichen Quellen und den Werken der bildenden Kunst wiederherzustellen. g. s.