Wer ist da helle?

Berlin ist eine Reise wert. – Von diesen Worten sind Bundesbürger und Ausländer gleichermaßen überzeugt und reisen zu Kongressen, zu "My Fair Lady" und politischem Anschauungsunterricht in die alte Hauptstadt. Von diesen Worten aber scheinen die Pensionswirte, die in den Seitenstraßen des Kurfürstendammes am Touristenstrom partizipieren, nicht viel zu halten. Der Hamburger, der kurz entschlossen sein Wochenende in Berlin verbringen will, erlebt unnützen Ärger, wenn er unangemeldet Samstagabend noch ein Plätzchen sucht, wo er sein Haupt betten könnte. Pensionen gibt’s genug, in Leuchtschrift locken sie, dritte Etage, einmal klingeln, bitte. Oben: "Bedaure, besetzt". Einmal steigt der Müde überflüssig die Treppe hinauf, beim dritten vergeblichen Versuch wird er ärgerlich: Warum haben die unten kein Schild "Alles besetzt"? Von wem sagt man, daß er helle sei?

Auf schwedisch klingt’s anders

Die Schweden mokieren sich über die Art, wie Deutschland in ihrem Land für seine touristischen Zentren wirbt, und lachen über den Stil der deutschen Werbeprospekte. "Wer noch nie eine in tiefen Schnee eingebettete Landschaft erlebt hat, muß im Winter nach Bayern reisen", heißt es auf schwedisch in einem Prospekt, und der Stockholmer fragt sich mit Recht, was das soll. Das fragte sich auch der Touristenfachmann Tamsen in Landskrone. Er rät den deutschen Fremdenverkehrszentralen auch von schlechten Übersetzern ab, die ungeschickt am Wort kleben und die Mentalität der Schweden außer acht lassen. Anders kann es sich Tamsen auch nicht erklären, daß sich Superlative und enthusiastisches Eigenlob – "das Größte der Welt" – in viele deutsche Werbeschriften, die in schwedischer Sprache vertrieben werden, einschleichen. In Schweden mag man keine dummen Übertreibungen; man hat sie längst entlarvt. Das ist das eigentlich Erschütternde: Das man uns erst darauf aufmerksam machen muß, wie oft wir uns noch hereinlegen lassen.

Im klaren fischen?

Daß Feierabend-, Wochenend- und Urlaubsangler an der Weser bald wieder im klaren fischen werden – wer wollte daran die Hoffnung aufgeben? Seitdem das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, daß sich nicht der Bund, sondern die Länder um die Binnengewässer zu kümmern haben, schickt man sich an, sich allmählich anzuschicken. Bremen, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die von der Weser durchflössen werden, haben gemeinsam eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Sie will zunächst "die Gewässeruntersuchungen erweitern", außerdem soll ein Warndienst eingerichtet werden für "Gewässerverunreinigungen größeren Ausmaßes, zum Beispiel bei Ölunfällen". Zur Zeit wird noch ermittelt, wer da gewarnt werden soll. Das heißt: Paddler, Schwimmer, Angler müssen vorläufig weiter im trüben fischen.