„Klaus-überall-Produktion” dreht Spielfilm in den Baden-Badener „DM”-Studios

ürk., Baden-Baden

Es war genau 2.11 Uhr in einer regnerischen Aprilnacht. Mit Vollgas raste ein VW mit einem Liebespaar über eine Waldstraße im tiefen Forst unweit von Baden-Baden. Plötzlich mußte der Fahrer hart auf die Bremse steigen. Gleißendes Schweinwerferlicht, allerlei Gerät, zahlreiche Menschen und eine Barriere stoppten den Wagen. Wieder einmal hatte Waldemar Schweitzer, DM-Verleger aus Stuttgart, ein Nordhoff-Auto „zum Stehen“ gebracht. Das Liebespaar im Wagen konnte eine von Filmscheinwerfern angestrahlte Tafel lesen: „Klaus-Überall-Produktion im Waldemar Schweitzer Verlag – Nora Film Verleih: Hier werden Aufnahmen für den Film ‚Nebelmörder‘ hergestellt...“

Die Filmleute hatten Verständnis für die Eile des Paares. Der nächste „Nebelmord“ wurde für eine Minute unterbrochen, das Paar im VW konnte die Szene passieren, Regisseur Eugen York sagte gelassen: „Noch einmal von vorn...“ Klappe 91 kam zum fünftenmal.

Seit rund sechs Monaten ist Deutschlands erster Warentester Waldemar Schweitzer geschäftsführender Gesellschafter der „Klaus-Überall-Produktion“ zu Sandweier, unweit von Baden-Baden. Klaus überall, bewährter TV-Show-Produzent, hatte sich nach Enttäuschungen im Fernsehgeschäft, nach einem solventen Geldgeber umgesehen. DM-Schweitzer aus dem fernen Stuttgart entpuppte sich als der richtige Partner. Warentest-Leser konnten dem aggressiven Wochenblatt entnehmen, daß demnächst „in unserem Baden-Badener Filmstudio“ die Produktion von Testfilmen beginnen würde.

Klaus Überall heute: „Die Testfilmprojekte sind vorerst zurückgestellt.“ Dafür stiegen Waldemar Schweitzer und Klaus Überall in das Show-Geschäft ein, zu dem selbst Axel Cäsar Springer bisher vergebens Einlaß suchte. Schon bald werden DM-Leser den ersten Schweitzer-Film in Westdeutschlands Lichtspieltheatern sehen können. In der ersten Aprilhälfte wird der „Nebelmörder“-Streifen abgedreht sein.

Das Schweitzer-Lichtspiel könnte ein Erfolg werden, obwohl es ein „Krimi“ ist, wenn freilich auch ein zeit- und gesellschaftskritischer, der zudem eine psychologische Studie werden soll. Der Nebelmörder treibt sein Unwesen im photogenen Rahmen von kleinstädtischen Teenagern, die das „süße Leben“ entdeckt zu haben glauben. Der Mörder wird nach„Halstuch“-Manier aufgespürt. Ein schnulziges Happy-End, das ursprünglich im Drehbuch stand, wurde von sachkundiger Hand entfernt: Hauptdarsteller Hansjörg Felmy verzichtete auf den für ihn vorgesehen Schlußkuß mit seiner Partnerin Ingmar Zeisberg. Beide spielen Kriminalbeamte, klären den Fall gemeinsam auf, „kriegen“ sich dann aber doch nicht.