Einen Volksstamm Madagaskars, der seit langern als ausgestorben galt, hat jetzt die österreichische Völkerkundlerin Lotte Gernböck wiederentdeckt. Die Hochebene um die Hauptstadt Tananarivo im Innern der großen Insel beherrschten einst die dunkelhäutigen Vazimba. Im 17. Jahrhundert drangen die hellhäutigen Merina, die im Mittelalter aus Südostasien nach Madagaskar eingewandert waren und bis dahin die Ostküste besiedelt hatten, auf die Hochebene vor. Die Vazimba verschwanden, ihr Name lebte nur noch in der Erinnerung der Landbevölkerung als Bezeichnung für böse Geister weiter.

Doch Frau Gernböck entdeckte bei einer Expedition in den Bongo-Lava-Bergen im Westteil Madagaskars Dörfer, in denen die verschollenen Vazimba noch unvermischt leben. Die Völkerkundlerin nahm Gesänge auf Tonbänder auf und filmte Opferfeierlichkeiten. Die vorläufige Auswertung des Materials läßt darauf schließen, daß die Ur-Madagassen auf einer viel höheren Kulturstufe gestanden haben, als bisher angenommen worden war.