Von Martin Beheim-Schwarzbach

Mit den Amerikanern James Thurber und Saul Steinberg haben wir die beiden Klassiker der modernen Groteske vor uns, was weder besagen will, daß sie sie begründet hätten, noch daß sie zwei nunmehr überholte Gipfelpunkte darstellten (welche Unterstellungen ja gewöhnlich in der Vokabel "klassisch" mitschwingen). Aber sie sind – alle beide – die fruchtbarsten, einfallsreichsten und originellsten Vertreter einer Gattung, die, zwischen dem Komischen und dem Tragischen angesiedelt, einen Groteskhumor schafft, den man sich angewöhnt hat, "schwarz" oder auch "schräg" zu nennen und der eins der markantesten Symptome für den künstlerischen Ausdruck gegenwärtiger Daseinsgefühle liefert.

Der gravitätischen Definierung entziehen sie sich alle beide. Zügelloser Übermut im Darstellen und Abbilden menschlicher Schwächen und Verrücktheiten beim einen, Steinberg, ins Bösartige, bei Thurber mehr ins Gutmütige hinüberschillernd – verleiht beiden eine Art Anführerrolle im Karnevalszug des homo insapiens, der uns vielfältige Spiegel unserer eigenen Lächerlichkeit vorhält.

Ob wir wirklich so lächerlich sind, ich meine: so ungeheuerlich und absurd lächerlich, daß es den Schöpfer vor grausigem Gelächter schütteln müßte? Doch wohl. Mindestens ist es zunächst Steinberg, der ihm solches Gelächter abnimmt und uns vorexerziert. In

"Steinberg’s Paperback"; Rowohlt Verlag, Reinbek; 256 S., Paperback, 10,80 DM

finden wir eine komprimierte Fibel der typischen Zeichnungen des Mannes, die Stück für Stück (das Buch ist, ein Unikum, nicht paginiert, aber der Verlag versichert, es seien 256 Seiten, und somit dürften es rund 250 Zeichnungen sein) uns alle in unsere Bestandteile zerlegt. "Zersetzt" hätte man wohl in einer gewissen Ära gesagt, und wahrhaftig sind sie zersetzend wie schärfste Säure, diese in naivster Manier hingeworfenen Mißtöne, die weder naiv noch hingeworfen noch mißtönend sind, sondern mit höchst raffinierter Zeichenkunst gemacht. Da bleibt kein Auge trocken, jedenfalls keins von denen, die das Gespür dafür haben, was da vor sich geht – während es freilich genug altmodischere Gemüter geben dürfte, die darin nur pfuscherhaften Unfug sehen.

Für die Angehörigen der Gemeinde solcher Kakophonie eines tiefernsten Übermuts ist es schön, einen Querschnitt der Streiche dieses Hexenmeisters in Form eines erschwinglichen Paperbacks (die bisherigen Steinberge sind aufwendig und teuer) zur Hand zu haben.