Was für England die Profumo-Affäre, ist für Thailand der Skandal um Marschall Sarit Thanarat. Von dem Marschall, seit 1957 Diktator des SEATO-Staates, wußte man im Ausland bis zu seinem Tod Anfang Dezember eigentlich nur, daß er ein treuer Verbündeter des Westens war und im Lande für Ordnung sorgte. Nun untersucht eine Regierungs-Kommission, wieso der Marschall ein Vermögen von 300 Millionen Mark zusammentragen konnte.

Ruchbar wurde die Sache durch viele hübsche Mädchen, die dem Marschall – er starb mit 62 an einem Leberleiden – die letzten Jahre versüßt hatten. Sie gönnten seinen beiden Hauptfrauen nicht die Erbschaft. Als erste durfte Sarits zweite Frau, Vichitra Thanarat, sein Geheimsafe öffnen. Der Inhalt: hunderttausend Mark in bar, Besitzurkunden, Juwelen und eine Pistole. Wenige Tage später schloß Major Setha Thanarat, ältester Sohn des Marschalls aus erster Ehe, das Safe auf. Es war leer. Zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter ging er vor Gericht. Mit ihnen erhoben die "Nebenfrauen" Ansprüche – es sollen mindestens fünfzig sein, Schönheitsköniginnen, Schauspielerinnen, Mannequins.

Niemals brauchte der Diktator die Schönen zu suchen, sie ließen sich gegen hohe Gebühren vermitteln. Nach ihren Aussagen war der Marschall zu ihnen stets höflich und ritterlich. Er verbot ihnen nur, sich in öffentlichen Bädern zu zeigen; er baute ihnen dafür ein eigenes Schwimmbecken hinter seinem Haus. Jede von ihnen erhielt als Geschenk ein Haus, eine monatliche Geldzuwendung und einen Wagen. 51 Autos liefen auf Sarits Namen.

Leutnant Pao Waikuna, der im Auftrag Sarits seine Autokolonnen kontrollieren mußte, hat Witwe Vichitra verklagt, damit sie 27 Vermögenswerte in Bangkok freigibt, die angeblich auf seinen Namen eingetragen waren. Er behauptet, Sarit habe ihm befohlen, diese Werte den Nebenfrauen zu vermachen.

Sarit und Familie waren an fünfzehn Gesellschaften beteiligt, darunter eine Handelsbank, die das Monopol für Goldimporte innehatte, eine Brauerei und eine Konzession zum Verkauf von Staatslotteriescheinen.

Diese Lotterie scheint der Eckstein im Gebäude von Sarits Reichtum gewesen zu sein. 1952, fünf Jahre vor dem unblutigen Putsch, der ihn an die Macht brachte, war Sarit bereits Vorsitzender der Lotteriegesellschaft. Der neue Direktor der Lotterie, Generalleutnant Punnakanta, enthüllte, es seien 47,8 Millionen Mark an Lotterievermögen veruntreut worden.

Außer den Thais dürften sich für den Ausgang der Untersuchung auch jene Länder interessieren, die dem Reiche der Königin Sirikit während der Regierungszeit des Marschalls jährlich an die 200 Millionen Mark Auslandshilfe gaben.