Zurück zurNatur und zum einfachen Leben – aber mit Komfort (und für die Kleinigkeit von 25 Dollar oder hundert Mark täglich). So läßt sich ein neuer Köder umschreiben, den schlaue Touristik-Manager für valutaschwere Reisende mit maritimen Neigungen auswerfen: Exklusive Kreuzfahrten längs der skandinavischen Küsten mit garantiert echten (und nur ein bißchen um- und ausgebauten) Nordseetrawlern.

Ein Kopenhagener Unternehmen hat für diesen Zweck jüngst zwei gut erhaltene deutsche Trawler zum Kaufzins von einer Million Kronen, also fast 600 000 Mark, erworben. Nun werden diese 130 bis 140 Tonnen großen Fischdampferchen z. b. V. gründlich überholt und für das zweckentfremdende Abenteuer gerüstet. Im Frühsommer sind sie dann auslaufbereit für jene neuen "Fischzüge", die diesmal freilich nicht Fang und Anlandung von jeweils sechzig oder siebzig Tonnen frischer Nordseeheringe, sondern das Ausfahren (und Ausnehmen) von jeweils einem halben Dutzend zahlungskräftiger Seefahrer zum Ziel haben. Natürlich darf man dieses "Ausnehmen" nicht allzu wörtlich auffassen – es geschieht in allen kaufmännischen Ehren und mit dem Einverständnis der Betroffenen.

Und wer da meint, daß hundert Mark pro Tag und Person ein bißchen happig seien, mag in gewisser Weise recht haben. Vergessen sollte er indessen nicht, daß für diese hundert Mark allerlei geboten wird. Zunächst einmal die Exklusivität: Die Luxus-Trawler nehmen nur sechs Passagiere mit auf die Reise – man bleibt unter sich. Dann der Komfort: Jede der drei Doppelkabinen verfügt selbstverständlich über einen separaten Baderaum und alle andere Bequemlichkeiten eines guten Hotelzimmers. Und vor allem: Der Kitzel des Seeabenteuers, in einem so richtigen Fischerboot tagelang über Kattegatt oder Skagerrak mit höchstens zwanzig Stundenkilometern zu tuckern – aus der Ferne von echten Fischern kaum zu unterscheiden. Dies alles und die atmosphärische Primitivät ist einigen Leuten den Preis wert. Die Initiatoren jedenfalls versichern, daß es an Interessenten nicht mangele. Vor allem seien es Amerikaner, Schweizer, natürlich Deutsche.

Eine populäre Kreuzfahrt-Route dürfte die werden, die von Kopenhagen aus via Öresund und längs der schwedischen Westküste mit Aufenthalten in den fashionablen Strandplätzen Längedrag, Marstrand und Lysekil bis nach Oslo und wieder zurück führt. Vierzehn Tage wird das jeweilige Vergnügen dauern – dann müssen die Ferienfischer ihren bequemen Trawler verlassen, um einer neuen "Mannschaft" Platz zu machen. Permanent an Bord bleiben nur der Kapitän und ein Steward, das ist die Besatzung, und mehr sind nicht erwünscht. Denn trotz der eindeutigen Vergangenheit ihrer plump-verläßlichen Seegefährten sollen die teuren Passagiere ein Gefühl nicht haben: zusammengepreßt wie weiland die Heringe reisen zu müssen. Kristian Klaas