FÜR alle, die London kennen, und solche, die es kennenlernen möchten –

V. S. Pritchett: "London – Herz und Antlitz einer Stadt", mit Photos von Evelyn Hofer; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München; 252 S., 49,50 DM.

ES ENTHÄLT zwischen der Frage "Wie gefällt Ihnen London?", mit der es anfängt, und dem sehr viel originelleren Schlußsatz einen hundertseitigen Essay und 120 ganzseitige Aufnahmen (davon 16 farbig) von Kneipen, Brücken, Hüten, Bäumen, Wachsfiguren, Bobbies, Klubs, Erkern, Häusern, Märkten, Straßen, Kirchen, kurz: von London. Der Schlußsatz lautet: "Ausgenommen in Fällen, die sich auf Hunde, Katzen, Pferde, Wellensittiche und Kanarienvögel beziehen, ist London die am wenigsten nervöse Stadt der Welt."

ES GEFÄLLT mir so gut, daß ich mich nicht scheue, es das beste London-Buch zu nennen, das ich kenne. Das kommt nicht von ungefähr. Nicht nur gehört der Verfasser zu den drei brillantesten englischen Essayisten unter den Lebenden; nicht nur ist die Photographin eine Meisterin ihres Fachs; nicht nur arbeiten beide ganz aus dem gleichen Geist, so daß Bilder und Text zusammengehören, ohne an irgendeiner Stelle zusammengezwungen zu werden. Sondern vor allem: Brillanz und Meisterschaft glänzen hier nicht um ihrer selber willen, sondern stehen streng im Dienst des Themas. Das ist ein bißchen "altmodisch". Das ganze Buch ist ein bißchen "altmodisch". London, das sich in diesem Buch so getreulich spiegelt wie in keinem anderen, ist auch ein bißchen "altmodisch". Gerade darin liegt ja sein Charme. Leo