WESTDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonntag, 12. April, die Erzählung:

In bester Sendezeit (am Sonntagabend) wurde die satirische Erzählung des Polen Slawomir Mrozek vorgelesen, angepriesen auch mit dem Hinweis, sie sei bisher in Deutschland unveröffentlicht. Wahrscheinlich war das der Grund, warum sie gebracht wurde. Ein anderer war kaum zu entdecken. Denn diese Neuheit ist eine altzopfige Geschichte mit personifizierten Schachfiguren, von denen noch dazu eine in der Ich-Form erzählt. Das ist Hans-Christian Andersen mit politischem Hintersinn. Eine "revolutionäre" Geschichte. Höhepunkt: Die leere, aufgeweichte Papierhülle des Königs wird schließlich schachmatt gesetzt.

Zum Gähnen langweilig die großväterlichen Putzigkeiten des Dialogs: "Ach, sagte der Bauer, der Schwarze hat schon wieder einen über den ‚Durst getrunken." – "Siehst du den Turm, der Stiefeletten trägt? Der tritt einem gegen das Schienbein." – "Was ist mit dem da los? Sklerose." Und so weiter.

Solche Geschichten im Radio vorzulesen, hat nur Sinn, wenn sie kommentiert werden, wenn über Autor und Werk etwas mitgeteilt wird und die Probe aus seinen Arbeiten eine unter mehreren ist. So aber war es nichts als eine schlecht gefüllte Pause zwischen Operette und Sport. R. H.