H. B., Brüssel, Mitte April

Die deutschen Kämpfer für den hohen Getreidepreis haben zum Rückzug geblasen – ganz leise noch, aber doch nicht unhörbar. Die Zuversicht wächst, daß bis zum Ende dieses Jahres festgelegt wird, wie niedrig in allen sechs Ländern der EWG von 1967 oder 1968 an das gemeinsame Preisniveau für Getreide sein soll.

Die Rede des deutschen Landwirtschaftsministers Werner Schwarz vor dem EWG-Ministerrat wurde Anfang dieser Woche von holländischen Delegierten teils unfreundlich, teils mit lautem Lachen und von Frankreichs Agrarminister Edgar Pisani mit mokantem Minenspiel quittiert. Die Atmosphäre in der Beratung war schlecht.

Dazu bestand eigentlich gar kein Anlaß. Immerhin haben die Deutschen nun angesetzt, eine zwar wirtschaftlich vernünftige und politisch unerläßliche, für einen Teil der Bundes-Bauern indessen sehr harte Entscheidung zu fällen: Die Getreidepreise könnten bei Erfüllung von 14 Bonner Vorbedingungen, die Schwarz vortrug, schon mehrere Jahre vor dem Ende der EWG-Aufbauzeit, also vor 1970, um 11 bis 17 Prozent gesenkt werden.

Die EWG-Kommission soll bis zum 29. April auf die wichtigsten deutschen Vorbedingungen antworten; sie soll klären, was im Lichte des Vertrags von Rom zu ihrer Erfüllung möglich wäre. Am 8. Mai kommt ein neuer Mammut-Ministerrat in Brüssel zusammen. Bis zum Spätherbst könnte man einig werden – wenn Bonn jetzt wirklich will.