Schon drei Tage nach dem Ableben General Douglas MacArthurs – der Sarg stand noch aufgebahrt im Kapitol – wurde allen Amerikanern klar, daß der Tod dem Wirken dieses großen Feldherrn kein Ende gesetzt hatte. Zwei Journalisten – Robert Considine von der Hearst-Presse und Jim Lucas von den Swipps-Howard-Blättern – veröffentlichten Interviews, die ihnen MacArthur vor zehn Jahren gewährt hatte, unter der Bedingung, sie bis zu seinem Tod geheimzuhalten.

Noch auf Jahre hinaus wird der Inhalt dieser Interviews die Gemüter erregen. Zwar hatte man oft von MacArthur den Vorwurf gehört, Präsident Harry S. Truman, der den ungekrönten Cäsaren im Fernen Osten wegen Insubordination absetzte, habe ihm und der freien Welt den Sieg in Korea verscherzt. Aber nie klangen seine Siegesrezepte derart phantastisch:

  • 30 bis 50 Atombomben auf chinesische Flugplätze und Depots in der Mandschurei.
  • Landung von 500 000 Nationalchinesen unter Führung von zwei Divisionen der US-Marine-Infanterie im Rücken des Feindes.
  • Radioaktiver Kobaltgürtel südlich des Jalu-Flusses verhindert auf 60 Jahre einen neuen Einfall der Chinesen.

Andere Veteranen des koreanischen Krieges freilich haben ihre eigene Meinung über den Wert dieses Vorhabens. Generalleutnant Lewis Puller: "Es gab zu der Zeit bloß eine Marine-Division in Korea und keine in Pearl Harbor. Ich begreife nicht, wo er die andere hernehmen wollte. Und 30 bis 50 Atombomben auf die Rotchinesen? Hm, ich bezweifle, daß wir damals überhaupt mehr als dreizehn Bomben hatten!"

Auch die nötigen Mengen Kobalt für den Todesgürtel hatten die USA, nach Auskunft der Experten, gar nicht zur Verfügung. Vor Einsetzen der Strahlung hätten die Chinesen noch schnell durch die Zone’marschieren können, oder sie hätten gewartet, bis ihre Truppen mit Strahlenschutzmitteln versehen waren:

Und hätte die Sowjetunion einem A-Bombenangriff auf China tatenlos zugesehen? MacArthur: "Rußland – daß ich nicht lache. Rußland hätte nicht für China gekämpft. Es war sehen über den Riesen unglücklich, den es ermutigt hatte." Doch zu Lebzeiten Stalins und sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur wenige US-Planer so optimistisch. Ohne genügende Vorräte an A-Bomben wäre Westeuropa kaum zu haltet gewesen.

Der Politiker Truman jedenfalls ließ sich sein Handeln nicht von dem ehrgeizigen General vorschreiben. MacArthur verwundert: "Dieser klene Bastard glaubt doch tatsächlich, er sei ein Patriot." So steht es wörtlich in dem Interview. Generalmajor Courtney Whitney, ein Vertrauter MacArthurs, entrüstete sich: Niemals würde MacArthur – obschon er doch ein halbes Jahrhundert nur unter Soldaten gelebt hat – solch ein Vort wie ‚Bastard‘ in den Mund genommen haben.