Devisen sind knapp im Ostblock, und so ist es nicht verwunderlich, daß die Länder hinter dem Eisernen Vorhang darauf bedacht sind, sich neue Devisenquellen zu erschließen. Zu diesem Zweck werden sogar politische Bedenken zurückgestellt und der Eiserne Vorhang für die Touristen als willkommene Valuta-Spender durchlöchert.

Auf eine geradezu geniale Idee ist nun die bulgarische "Balkantourist" verfallen, die in einem kleinen Prospekt "Jagd- und Angelsport in Bulgarien" um Touristen aus dem "goldenen" Westen wirbt.

Dort wird genauestens aufgezählt, was es kostet, einen Hirsch, ein Reh, ein Wildschwein oder eine Gemse zu schießen. Jedes Gramm des Geweihes eines solchen Tieres, beziehungsweise des Hauers eines Wildschweins, hat seinen genauen Preis, und je größer das Geweih, desto höher der zu entrichtende Preis.

Grotesk wird es allerdings, wenn der Jäger das Pech hat, sein Ziel zu verfehlen: Für einen auf einen Edelhirsch abgefeuerten Schuß, der danebengeht, sind 20 Dollar zu bezahlen; bei Elchen kostet ein Fehlschuß nur 10 Dollar. Aber "falls der Jäger kein Wild erlegt, obwohl ihm die Möglichkeit geboten wurde, entrichtet er für seinen Aufenthalt im Jagdrevier je fünf Dollar für jeden Tag".

Was jedoch den bulgarischen Bären angeht, so bekommt der Jäger ihn in jedem Falle aufgebunden. An einer Stelle des Prospekts heißt es nämlich: "Der Bär steht unter Naturschutz. Nur Bären, die Menschen und Tiere anfallen, dürfen geschossen werden."

Wird aber ein solcher Bär geschossen, dann kostet das sage und schreibe 700 Dollar. Wird der Bär nur verwundet, dann sind 300 Dollar zu berappen, und wenn der Jäger danebenschießt, kostet es ihn 60 Dollar pro Fehlschuß.

Wie man es auch dreht und wendet: In jedem Falle muß gezahlt werden. Ob man trifft oder nicht. Offensichtlich soll hier nicht dem Bären das Fell über die Ohren gezogen werden, sondern dem Jäger. GR