Erfahrungen und Empfehlungen eines Botschafters in Moskau

Von Werner Höfer

Schlechte Wegstrecke! "Diese Warnung an Bonner Sträßchensweg sollte niemanden abschrecken, wenn er von dem früheren deutschen Botschafter in Moskau, Dr. Hans Kroll, die Preisgabe einiger Erfahrungen und Überlegungen zur Lage erbitten mochte. Mit Winterbräune und Frühjahrsfrische – er ist soeben vom Schweizer Ski-Urlaub und einer Nachkur in seinem Hans in Bayern zur "Kleinen Residenz" am Rhein heimgekehrt – empfängt der Diplomat im Ruhestand den Gast, bereit zu sagen, was er weit, und nicht zu verschweigen, was er denkt. So liegt es denn nahe, das klassische Cassandra-Wort des Ex-Kanzlers zur ersten Frage an den Ex-Botschafter umzumünzen:

"Herr Dr. Kroll, die Lage war, wie es schein noch nie so ernst?" "Wenn Sie den Stand der deutsch-sowjetischen Beziehungen meinen, muß ich Ihnen zustimmen. Wer etwas anderes sagt, bagatellisiert die Verhältnisse."

"Als Sie Botschafter beim Kreml waren, sind die Beziehungen zwischen dem sowjetischen Ministerpräsidenten und dem Vertreter der Bundesrepublik fraglos besser gewesen? Aber dennoch fielen in diese Zeit das Berlin-Ultimatum und der Mauer-Bau."

"Wer nur das feststellt, Übersicht die positivei Ergebnisse sowie auch, daß möglicherweise noch Schlimmeres verhütet wurde. Beim Abschiedsessen in Moskau sagte mir der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko, es sei meinen Bemühungen zu verdanken, daß die Beziehung" mit Bonn nicht abgebrochen worden seien. In übrigen kann man die Veränderung im deutschsowjetischen Verhältnis am klarsten erkennen, wenn man die TASS-Erklärung vom 7. März 1964 in Vergleich setzt mit dem Memorandum, das mir Chruschtschow am 27. Dezember 1961 überreichte. Aus einem solchen Vergleich ergibt sich deutlich die inzwischen vollzogene Wandlung im politischen Klima wie in der Substanz."

"Welche weiteren Ereignisse – neben der TASS-Erklärung – belegen Ihre Behauptung, daß die deutsch-sowjetischen Beziehungen einen Tiefststand erreicht haben?"