"Der Preis" (USA; Verleih: MGM): Bemühungen um leichte Spannung, Ironisierung des Nobelpreis-Milieus und Nervenkitzel können dem Regisseur Mark Robson nicht abgesprochen werden; auch über die Verwendung sehr schlechter Rückprojektionen, die allzuoft Stockholm simulieren, wo bestenfalls das MGM-Studio B, Halle III, existiert, kann man hinwegsehen. Daß allerdings der Drehbuchautor Ernest Lehmann sein Script zu Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" nur etwas mit Zugaben und Flitter verwässert hat, um so zum "Preis" nach Stockholm zu kommen, das macht den Film zu einer ärgerlichen Angelegenheit. Die politischen Akzente zudem sind platte Hetze. Während sich im Grandhotel in der schwedischen Hauptstadt die diversen Preisträger auf die Verleihung von Urkunde und Scheck durch den König vorbereiten, geschehen allerlei private und öffentliche Mißgeschicke. Der Physikpreisträger, ein nach Amerika emigrierter Deutscher mit Namen Dr. Max Stratman, wird von Kommunisten entführt, an seine Stelle schmuggeln die stockfinsteren Galgenstricke einen gleichaussehenden Strohmann, der vor dem König bei der Preisverteilung Amerika beleidigen soll, um so den Absprung ins andere Lager zu motivieren. Der amerikanische Literat, ein ebenso leichtsinniger wie liebenswerter Hallodri, teilt auf der für die Preisträger abgehaltenen Pressekonferenz unumwunden mit, daß ihn der ganze Rummel, mit Verlaub, anöde und er sich nur für das Geld interessiere. Er jedoch ist es, der die Handlung in Gang setzt, geschult durch das Schreiben von Kriminalromanen unter Pseudonym. Die Story rollt getreu nach Hitchcocks Vorlage, mit halbkomischen Einlagen, glatt bis zum Ende ab. War der großartige Kitzel des Vorbilds noch dadurch hinlänglich gerechtfertigt, daß alles, was sich auf der Leinwand ereignete, tatsächlich hätte passieren können, so begnügt sich Robson mit armseliger Fiktion. Die Entführer, die im Auftrage Moskaus zu handeln scheinen, bedienen sich eines deutschen, also DDR-Schiffes, verfügen in Stockholm über ein Krankenhaus, mehrere Wohnungen, etliche Autos und mindestens zehn Mann "Personal", alles üble Ganoven mit oder ohne Bart. Die politische Verbiesterung des herangezüchteten Gegners verträgt sich gut mit der Fledderei an Hitchcock. Robson ist ein Epigone ohne Ambition, den Meister einzuholen. phs