Von Gert von Paczensky

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung, die interessierte Kreise nach Kräften zu fördern suchen, steht das Fernsehen in der Bundesrepublik weitgehend unter dem Einfluß der Bundesregierung. So weitgehend, daß man fast schon von Beherrschung sprechen kann.

Konrad Adenauer wußte sehr früh, welche Möglichkeiten das Fernsehen der Regierung bieten konnte, und er handelte früh. Freilich erlitt er im Kampf um das Fernsehen eine Niederlage. Die Zeitungskommentatoren bezeichneten sie damals als die größte Schlappe, die die Regierung jemals eingesteckt habe.

Wie aber sich die Schlappe unter den Händen des Siegers – der sozialdemokratisch regierten Bundesländer – in einen Sieg Adenauers verwandelte, das ist fürwahr eine der besonders faszinierenden Episoden dieser Ära.

Da das Fernsehen in der Bundesrepublik aus den Rundfunkanstalten hervorging, sei ein Blick auf die Organisation unseres Rundfunks erlaubt. Der Rundfunk war.seinerzeit in Deutschland (in der Weimarer Republik) unter übermächtiger Beteiligung des Staates, oder der Regierung, gegründet worden. Militär und Reichsregierung fürchteten, finstere Elemente könnten dem Volk durch das Radio gefährliche Ideen in den Kopf setzen. Und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Deutschen fest daran gewöhnt, den Rundfunk für einen Arm der Staatsgewalt zu halten: Es war ja ein Staatsmonopol.

Daraus wollten Sieger und Besiegte nach dem Kriege Konsequenzen ziehen. Ihren Bemühungen verdanken wir den außerordentlich dezentralisierten, in vielerlei Programme (mindestens zwei pro Sender) unterteilten Hörfunk: öffentlichrechtliche, demokratisch-kontrollierte, von der Bundesregierung unabhängige Anstalten auf der Basis der Bundesländer (mit Ausnahme des NDR, der drei Länder umfaßt). Diese Anstalten, an der Spitze der NDR, entwickelten eines Tages auch das Fernsehen. Sie betreiben heute als ARD (Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands) das Erste Fernsehprogramm.

Die Väter dieser Organisation hielten nichts vom privatwirtschaftlichen Aufbau von Rundfunk und Fernsehen, wie er in Amerika und anderswo besteht. Sie fürchteten oder behaupteten, die Privatwirtschaft werde sich nicht an das öffentliche Interesse halten und dem Fernsehprogramm ein niedriges Niveau bescheren. Die kaum geringere Gefahr des staatlichen Eingriffs dachten sie durch die regionale Organisation zu bannen.