DIE ZEIT

Schröder – stärker als zuvor

Haust du meinen Schröder, hau’ ich deine CSU – nein, so wollte der Kanzler seine scharfe Erklärung, mit der er sich kämpferisch hinter den Minister des Auswärtigen gestellt hatte, schließlich denn doch nicht verstanden wissen.

Das Ende der Nachkriegs-Ära

Wenn man die Reden liest, die besorgte Europäer in Frankfurt beim Europakongreß oder bei den Tagungen in Brüssel hielten, dann könnte man meinen, die Regierungen, die es beim Zurechtzimmern der europäischen Institutionen so schwer haben, seien weit hinter ihren Völkern und hinter der Wirklichkeit zurück.

Die vorsichtigen Verbündeten

Togliatti und Gheorgiu-Dej, werde nur die endgültige Spaltung bringen – und gleichzeitig die Position der zwei Führungsmächte festigen.

"...allaweil Zentrum g’wählt"

In einem Nebenzimmer des Gasthofs "Zum Stern" saßen achtzehn Männer. Die meisten hatten ein Glas Bier vor sich stehen, ein paar tranken ihr Viertele Wein.

Pisani – Genie der Verhandlungstaktik

Wie es denn ausgegangen sei, das Gespräch mit dem deutschen Bundespräsidenten Lübke, so wurde Edgar Pisani gefragt, als er kürzlich Ehrengast bei einem Diner-debat war.

Zeitspiegel

Wirbel hat in der amerikanischen Öffentlichkeit die Meldung über einen Attentatsplan gegen ein weiteres Mitglied der Kennedy-Familie verursacht: James R.

Marxistische Aufbereitung Goethes

republik kämen komplizierende und durchaus verständliche Ressentiments mit ins Spiel – warum denn nicht ? (Immer wieder fragte ich, warum man denn den großen deutschen Dichter Peter Huchel, von dem man offenbar nicht mehr viel hält in Ostberlin und der seinerseits wenig Grund hat, noch viel zu halten von der DDR, warum man ihn denn nicht ziehen läßt – ich bekam nie eine befriedigende Antwort.

Was heißt Selbstbestimmung?

Wenn vom Deutschland-Problem die Rede ist, wird neben dem geläufigen Ausdruck "Wiedervereinigung" mehr und mehr das Wort "Selbstbestimmung" gebraucht.

Eulenspiegelei am Checkpoint

Der US-Stadtkommandant in Berlin ordnete dieser Tage eine verblüffende Maßnahme an: Am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße konnte ein Zivilist mit einem Ausweis des DDR-Außenministeriums für Ostblockdiplomaten die Sperre passieren.

Wolfgang Ebert:: Subversive Elemente

"Gern, Herr Kollege" sagte er, während er seine beschlagene Brille abwischte, "nur einen Moment bitte noch." Von einem Boten vernahm er, daß "es" erst in sieben Minuten losgehe und wandte sich mir wieder zu.

Mit den Sowjets reden!

Das Ergebnis der sechsstündigen Diskussion: Auf beiden Seiten, der sowjetischen und der deutschen, war man verblüfft. Schwer zu glauben, aber wir reden seit 20 Jahren aneinander vorbei.

Alter Wein in alten Schläuchen

Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in In Bewegung gesetzt. Die kurfürstlichen Herrschaften hatten ein unbeschreibliches Vergnügen, und alles geriet in Verwunderung.

Deutscher Rückzug

Die deutschen Kämpfer für den hohen Getreidepreis haben zum Rückzug geblasen – ganz leise noch, aber doch nicht unhörbar. Die Zuversicht wächst, daß bis zum Ende dieses Jahres festgelegt wird, wie niedrig in allen sechs Ländern der EWG von 1967 oder 1968 an das gemeinsame Preisniveau für Getreide sein soll.

Sansibar – ein Schaufenster des Ostblocks?

Die Außenpolitiker der USA sehen mit einiger Sorge den nächsten Monaten in Afrika entgegen. Vier Gefahrenpunkte zeichnen sich ab: Sansibar, Südrhodesien, Portugiesisch-Angola und Mozambique, wo neue Aufstände ausbrachen, und der Kongo, wo im Sommer das UN-Mandat erlöscht.

Kampf um die "Civil Rights"

Die amerikanischen Neger haben seit Freitag einen neuen beredten Fürsprecher: Edward Kennedy, den 32jährigen jüngsten Bruder des ermordeten Präsidenten.

Von ZEIT zu ZEIT: Weltgeschehen im Mikro-Panorama

Als "Trotzkisten, Kleinbürger und Großmacht-Chauvinisten" verdammte Nikita Chruschtschow die chinesischen Genossen. Die Fernseh – Ansprache des fälschlich totgesagten Kreml-Chefs wurde im gesamten Ostblock überfragen – mit Ausnahme von Rumänien und Albanien.

"Brigade Irene" sagte Nein

Spanischer Stolz und holländische Dickköpfigkeit forderten letzte Woche, Arm in Arm, Volk und Königreich der Niederlande abermals in die Schranken.

Namen der Woche

Alan Shepard, Amerikas Raumfahrer Nr. 1, kann, wegen infektiöser Mittelohrentzündung nicht die erste Expedition in der Gemini-Kapsel mitmachen.

Der Tod kam im Frühling

Wegen Verdachts fahrlässiger Tötung an der deutschen Skiläuferin Barbi Henneberger und dem US-Skichampion Bud Werner wurde in der Schweiz eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.

Shakespeare heute

Professor Dr. Wolfgang Clemen ist Ordinarius für Anglistik an der Universität München, für das Shakespeare-Jahr 1964 Präsident der "Modern Humanities Research Association",Ehrenmitglied der "Modern Language Association of America" und wird am 23.

Elite oder Demokratie?

Der Amerikaner ist stolz darauf, daß seine pädagogischen Institutionen jedem Staatsbürger offenstehen, und es ist hinlänglich bekannt, daß jedes Kind in den Vereinigten Staaten grundsätzlich eine gebühren- und lehrbuchfreie höhere Schule besucht.

Unsere Sprache: Verraten und verkauft

Es kommt nicht häufig vor, daß industrielle Zeitungsannoncen an zeitgenössische Lyrik erinnern. Wenn die Industrie poetisch wird, äußert sich das meist im Hinblick auf das kulturelle Erbe, und alles reimt sich dann im Tonfall Eichendorffs, auf daß es einem behaglich werde und man Vertrauen fasse zu dem Produkt, das da eingeschmeichelt werden soll.

Zur Vierhundertjahrfeier

Überall wird man in der kommenden Woche William Shakespeares gedenken, der vor vierhundert Jahren, wahrscheinlich am 23. April 1564 geboren wurde (das erste gesicherte Datum ist das seiner Taufe am 26.

Oscar-Preise in Hollywood

Mit dem Stern Hollywood verblaßte auch der Glanz des Oscars ein wenig, mit den Veränderungen in Hollywood änderte sich der Preis.

Brief aus dem Tessin (VII)

Ja, so will ich Dich nennen. Gerade heute, vier Stunden nach dem Ende Deines Besuchs. Ich hatte diesem Charmeur aus Sandstein ausdrücklich verboten, Dir von meiner kleinen Erkrankung zu berichten.

Zeitmosaik

Der Philister begreift nicht, daß er bei einem besonderen Schriftsteller vielleicht nur darum keine allgemeinen Ideen findet, weil die besonderen Ideen dieses Schriftstellers noch nicht allgemein geworden sind.

Im Nacken das Sternemeer

Lassen wir den Maler eingangs sich selbst vorstellen: "Ich werde, so Gott will, in genau anderthalb Jahren achtzig Jahre alt, merke freilich dieses Altwerden schon sehr in meinen Knochen, aber ich kann bis sechs Stunden, ohne Pause, an einem Porträt schuften, daß sich meine beiden Schüler wundern.

Kleiner Kunstkalender

Auch der Kunstverein hat diesmal, wie der Künstlerbund, ein Jubiläum: seine 125. Frühjahrsausstellung, die durch die Teilnahme zahlreicheprominenter Ausländer einen festlichen Akzent erhält.

Kluge Dialoge

Es gab einen großen Theaterabend, als Fritz Kortner in den Münchner Kammerspielen seine "Zwiesprache" zur Uraufführung brachte.

Eine exklusive Ausstellung

Ich wollte die Einladungskarte gerade fortwerfen, da ich nicht die Absicht hatte, die Ausstellung abstrakter Bilder eines meiner weiteren Bekannten zu besuchen.

Der Fall Max Bense

Unter Gert H. Theunissens Leitung lief, und läuft noch immer, beim Westdeutschen Rundfunk eine Sendereihe "Selbstkritik der Kritiker" (aus unserem eigenen Mitarbeiterstab haben dafür Johannes Jacobi, Rudolf Walter Leonhardt und Marcel Reich-Ranicki Beiträge geschrieben) – sie wird als Buch im Herbst bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen.

Unser Kritiker sah:: DAS LILA KLEID VON VALENTINE

Das Boulevardstück entspricht in der Literatur dem Unterhaltungsroman. Trotzdem ist es ernster zu nehmen. Es kann als Text für Bühnenleistungen dienen, die dann einen Eigenwert der Theaterkunst bedeuten.

Fernsehen: 3:2 für die Zweite Mannschaft

Zu den Höhepunkten des Zweiten Programms gehört beinahe jede Woche der sonnabendliche Kommentar; mit Sicherheit dann, wenn Ralf Dahrendorf der Kommentator ist, der bei aller klugen Zurückhaltung keiner Frage ausweicht und jede Antwort präzise formuliert.

Film

"Der Preis" (USA; Verleih: MGM): Bemühungen um leichte Spannung, Ironisierung des Nobelpreis-Milieus und Nervenkitzel können dem Regisseur Mark Robson nicht abgesprochen werden; auch über die Verwendung sehr schlechter Rückprojektionen, die allzuoft Stockholm simulieren, wo bestenfalls das MGM-Studio B, Halle III, existiert, kann man hinwegsehen.

Folgen der Ära Adenauer im Fernsehen

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung, die interessierte Kreise nach Kräften zu fördern suchen, steht das Fernsehen in der Bundesrepublik weitgehend unter dem Einfluß der Bundesregierung.

Jubiläum in Berlin

Diesmal, weil der Künstlerbund Geburtstag feiert, den 60. – wenn man von der Zwangspause absieht zwischen 1936 und 1950 – präsentiert er sich in dreierlei Gestalt, in drei Zeiten: Präsens, Perfekt, Futurum.

Gesellschaftskritik, boshaft und wahr

Nirgends gibt es so viele schiefe Vorstellungen zu korrigieren wie im Verhältnis der deutschen Leser zur französischen Kultur, insbesondere zur französischen Literatur.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine unveränderte Neuauflage der vergriffenen Insel-Ausgabe aus dem Jahre 1953, also die Bearbeitung des erst in den zwanziger Jahren von chinesischen Gelehrten ausgegrabenen vollständigen Textes durch Franz Kuhn und wieder die sechzig ganzseitigen Holzschnitte, die fast alle aus der Ausgabe von 1734 stammen, die im Besitz des Kölner Museums für ostasiatische Kunst ist.

Hans Mayers Büchertagebuch (4): Von Tropismen zu goldenen Früchten

Allmählich zerteilt sich das Gerede ein bißchen. Wer sagte uns doch, auf der Welle des sogenannten Neuen Romans würden aus Frankreich bloß noch Dinge angeschwemmt, Jalousien und anderes, dadurch entstehe eine menschenlose, nahezu unmenschliche Romanwelt? Und Alain Robbe-Grillet sei ihr Prophet.

Skalpell und Eros

Ein trüber Weißwein aus Kastilien löste ihre Gemüter; dann saßen sie trunken in einem Ruderboot und schaukelten auf dem nachtschwarzen Wasser des Guadalquivir.

Die billigen Hotels von Berchtesgaden

Rechtzeitig zum Frühjahr wurde in Bayern eine Affäre ausgegraben, die man sich gegenseitig in die Schuhe schieben kann. Es geht, genau gesagt, um sieben Hotels, sieben Wohnhäuser oder Villen, sowie um 225 000 Quadratmeter Grundbesitz im Berchtesgadener Land.

Die Soubrette und die Politik

Warum gerade ich?", fragt die blonde Berliner Soubrette Rosemarie Moogk verständnislos, die blauen Porzellanaugen weit aufgerissen.

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