HANNOVER (Kunstverein):

125. Frühjahrsausstellung

Auch der Kunstverein hat diesmal, wie der Künstlerbund, ein Jubiläum: seine 125. Frühjahrsausstellung, die durch die Teilnahme zahlreicheprominenter Ausländer einen festlichen Akzent erhält. Sie wurden vorzüglich ausgewählt und dank kluger Regie geschickt und unauffällig untedie Deutschen gemischt, an einigen Stellen prachtvoll isoliert. Im Mittelpunkt steht eine Wand der Spanier, mit Picassos grandiosen "Frauenakt vor Garten" von 1956 (ehemal; Sammlung Thompson) und einer herrlichen wilden Schleifenkomposition von Tapies, in Grai und Rosa, über einer subtil gemalten, geritzten gekerbten schwarzen Randzone. Nicholson (de am 10. April siebzig wurde) und Morandi, die beiden Stillebenmaler von europäischem Rang sind in vergleichbare Nähe gerückt, trotz der gleichen Themas zwei Antipoden. Man sieht neue Bilder von Dubuffet, bunt und grimassierend Ein seltener Gast in Deutschland ist der gebürtige Kubaner Wilfredo Lam, seine interessante scharfkantige figurale Konstruktion zeigt Anklänge an Malta, der ebenfalls dabei ist, aber Lam ist weniger aggressiv, sein Bild hat Stille und Monumentalität. Unter den Bildhauern trifft man Arp, Benazzi und Mirko (mit einem expressiv manieristischen Hahn, der auf Marinis Spuren wandelt, ihn geistvoll parodiert). Durch dieses internationale Element unterscheidet sich Hannover vom Künstlerbund in Berlin. Der deutsche Anteil ist hier zwar kleiner als in Berlin – die ganze Ausstellung umfaßt nur 210 Werke –, aber sonst sehr ähnlich. Warum müssen es immer wieder Purrmann, Bargheer und Niederreuther sein, wenn man die heutige Landschaftsmalerei zeigen will? Warum muß hier wie dort der Maler Albrecht als einziger den Konstruktivismus repräsentieren? Wenn Hannover auf wichtige Künstler wie Grieshaber, Kluth, Jaenisch, Antes, Thieler nicht verzichten kann, dann sollte man im übrigen um so freier verfahren und sich für Maler und Bildhauer entscheiden, die nicht beim Künstlerbund ausstellen. Andrerseits hat die Frühjahrsausstellung ein paar bedeutende Namen, die diesmal beim Künstlerbund fehlen, wie Bissier, Schumacher, Winter und Seitz. – Die Ausstellung wird bis zum 5. Mai verlängert.

LÜBECK (Overbeck-Gesellschaft):

Gerhard Wind

Bilder von Gerhard Wind, der in Düsseldorf lebt und seit 1956 eine ganze Reihe von Stipendien und Förderpreisen bekam, sieht man zur Zeit beim Künstlerbund in Berlin und auf der Hannoveraner Frühjahrsausstellung. Die Kollektivausstellung in der Overbeck-Gesellschaft umfaßt dreißig seiner "Figurationen" von 1956 bis 1964, großformatige Ölbilder, dazu Gouachen und graphische Blätter. "Figuration" meint nichts nachfaschistisch Neofiguratives, vielmehr eine geometrisch konstruierte Flächenordnung. Im spitzen Winkel stoßen die Formen zusammen, verkanten und überschneiden sich, wobei sie ihre Richtung ändern, auseinandergehen und ein sich auf verschiedenen Raumebenen entwickelndes scharfkantiges Mosaik ergeben. Die Farben sind kühl, Blau, Violett, Schwarz, oft tritt zentral oder am Rand eine ruhige weiße Fläche dazu. Eine disziplinierte, überlegte, tektonische Malerei, das Gegenteil von psychischem Aufomatismus und action painting. Der Maler, der ihn am meisten beeindruckte, war Juan Gris. – Die Ausstellung dauert bis zum 19. April.

LUZERN (Hotel Schweizerhof):