Ich kann nicht mehr. Mir tun die Füße weh – und auch der Rücken." Dieser Stoßseufzer eines fünfzehnjährigen Jungen während eines längeren Spazierganges am Sonnabendnachmittag vor den Toren der Stadt ist keine Seltenheit. Abhilfe ist schnell geschaffen: Der Vorortszug oder Postbus bringt ihn wieder schnell zum häuslichen Herd.

Was die Bundeswehr schon seit Jahren weiß, muß jetzt auch die Wirtschaft zur Kenntnis nehmen. Der Gesundheitszustand der Jugendlichen – in diesem Falle der Schulentlassenen – ist erschreckend und wird viel besser, je später ihr Eintritt in das Berufsleben erfolgt. Das geht aus ärztlichen Untersuchungen hervor.

Für rund 750 000 Jugendliche war in diesem Jahr der 1. April der erste Arbeitstag. Nach den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes dürfen Jugendliche ohne die gesetzlich vorgeschriebene ärztliche Untersuchung nicht beschäftig werden. Mit der Beschäftigung eines Jugendlichen darf nur begonnen werden, wenn er innerhalb der letzten 12 Monate von einem Arzt untersucht worden ist und eine von diesem Arzt ausgestellte Bescheinigung vorliegt.

Im Jahre 1963 erhielten 30 Prozent aller untersuchten Jugendlichen ärztliche Bescheinigungen mit dem Vermerk für Einschränkungen bestimmter Arbeitsverrichtungen. 15 Prozent der Jugendlichen brauchte eine zusätzliche Untersuchung.

Der Leiter des Ärztedienstes der Stadt Nürnberg, Medizinalrat Oster, hat sich aus diesen Gründen gegen die automatische Eingliederung der 14jährigen Jugendlichen in das Berufsleben gewandt. Oster ist der Meinung, daß die Jugendlichen häufig körperlich und seelisch den Anforderungen nicht gewachsen sind, die ihnen am Arbeitsplatz gestellt würden. In diesem Zusammenhang berichtete der Medizinalrat über die guten Erfahrungen, die man in Nürnberg mit der Errichtung eines zweijährigen Aufbaukurses im Anschluß an die Volksschule erzielt habe. Nach Abschluß des Kurses waren alle 16jährigen berufsreif.

Ob allerdings Haltungs- und Fußschäden oder Störungen des vegetativen Nervensystems in den zwei Jahren zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr geringer werden, muß bezweifelt werden. Die Musterungskommissionen der Bundeswehr stellen diese Fehler immerhin in großem Maße auch bei den 18- bis 20jährigen fest. H. D.