In der gleichen Woche, in der sich in Düsseldorf – auf dem 2. Kongreß für Vertrieb und Marketing – die Fortschrittlichen aus Industrie und Handel über den „Markt von Morgen“ die Köpfe heißredeten, unternahmen die Vertreter maßgebender Verbände in Bonn einen neuen Vorstoß zur Rettung der Preisbindung. Regie des Zufalls? Dem gleichen Publizisten, der die Preisbindung als ein „Fossil aus der Steinzeit der Marktwirtschaft“ bezeichnet hat, wurde von den Absatzexperten in Düsseldorf für seine wegweisenden Ausführungen Beifall gezollt...

Um es vorweg zu sagen: Es steht weder zu hoffen noch zu befürchten, daß die Preisbindung in dieser Legislaturperiode abgeschafft wird. Nach Lage der Dinge findet sich weder im Wirtschaftsausschuß noch im Parlament derzeit eine ausreichende Mehrheit für eine entsprechende Novellierung des Kartellgesetzes. Auch der Bundesregierung scheint im Augenblick an einem Verbot der vertikalen Preisbindung nicht gelegen zu sein.

Der Wirbel, den die Unterhausdebatte über die von der britischen Regierung angestrebte Abschaffung der Preisbindung erst kürzlich hervorgerufen hat, dürfte auch in Bonn seine Wirkung nicht verfehlt haben. Eine so starke Fronde hatten die Konservativen im eigenen Lager seit Jahrzehnten nicht erlebt. Das hätte denn noch gefehlt, daß die Regierung wegen der Preisbindung eine Niederlage erleben müßte. Außerdem haben wir uns, so scheint es jedenfalls, inzwischen daran gewöhnt, „mit der Preisbindung zu leben“.

So kann man es wohl nur als eine grobe Ungeschicklichkeit bezeichnen, daß die Verbände die Preisbindung wieder einmal aufs Tapet gebracht und an die große Glocke gehängt haben. Oder wollte man mit den neuen Vorschlägen zur Güte in Bonn einem bevorstehenden Eklat im Lebensmittelbereich vorbeugen? Darauf könnte die Stoßrichtung der Initiative des genossenschaftlichen Groß- und Außenhandels hindeuten, die vor allem auf Spirituosen und Süßwaren gerichtet ist.

Das Kartellamt hat die Entwicklung auf diesen Märkten bereits seit geraumer Zeit im Auge. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, daß die Rabatte – insbesondere für einige Spirituosen – zur Unterbietung der gebundenen Preise geradezu herausfordern.

Die beteiligten Verbände haben dem Bundeswirtschaftsminister eine Verbesserung der Preisbindungspraxis in dem Sinne versprochen, daß künftig nur noch „realistische“ Preise gebunden werden sollen. Man will demonstrieren, daß Industrie und Handel ihre Angelegenheit selbst ordnen können. Das wird man nur begrüßen können.

Zu Selbsthilfemaßnahmen entschlossen sind außerdem die freiwilligen Handelsketten. Wenn die Hersteller die Lückenhaftigkeit der Preisbindung nicht abstellen könnten – so verkündete der Präsident einer der großen Lebensmittelketten – sei man nicht länger bereit, sich an die Spielregeln zu halten.