Die Stoßrichtung der Entwicklungshilfe sollte nach Ansicht der Kreditanstalt für Wiederaufbau geändert werden. An Stelle der meist sehr kostspieligen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur sollten vor allem Projekte gefördert werden, die sich positiv in den Außenhandel der Entwicklungsländer einschalten können.

Der Streit um den besten Weg bei der Entwicklungshilfe ist so alt, wie es diese Förderungsmaßnahmen gibt. Es wurden lange und tiefgründige Gutachten verfaßt, die für den einen oder den anderen Weg plädierten. Nur eines war nicht im voraus kalkulierbar – die Entwicklung in den bedürftigen Ländern selbst. Die Dynamik und die Ungeduld der jungen Nationalstaaten vor allem in Asien und Afrika scheint jetzt manche gute Idee über den Haufen zu werfen.

Nicht immer lassen sich die Forderungen des Nehmenden mit den Wünschen des Gebenden auf einen Nenner bringen. Abstimmung und Konzessionen werden notwendig sein, um eine möglichst große Wirkung der eingesetzten Gelder zu erreichen. Darüber hinaus sollte aber nicht der eigentliche Sinn der Entwicklungshilfe vergessen werden: Den jungen selbständig gewordenen Staaten die Basis für eine eigene Industrie zu schaffen. Diese Industrie kann aber nicht nach den Wünschen der Geldgeber orientiert sein, sondern muß sich nach den Gegebenheiten des Landes richten.

Letzten Endes wird es doch darauf hinauslaufen müssen, daß diejenigen Maßnahmen den Vorrang erhalten, die die Entwicklungsländer diesem Ziel näherbringen. Und das wird in der Regel nicht die Düngemittelfabrik, die Spinnerei oder das Stahlwerk sein, auch wenn sie rentabel arbeiten können. Es werden vielmehr die Straßenverhältnisse, die Eisenbahnen und Häfen und die Stromversorgung sein, die die Grundlage für den Aufbau einer eigenständigen Industrie sichern. Aber wie soll man die Rentabilität dieser Einrichtungen messen? mh.