Von Josef Miiiler-Marein

Wie es denn ausgegangen sei, das Gespräch mit dem deutschen Bundespräsidenten Lübke, so wurde Edgar Pisani gefragt, als er kürzlich Ehrengast bei einem Diner-debat war. Diner-debat heißt im modernen Deutsch "Arbeitsessen". Und es waren die französischen Landwirtschafts-Journalisten in Paris, die Pisani an ihren Tisch geladen hatten. Sie wußten natürlich, daß er zu beidem ganz vorzüglich geeignet ist: zum Diner wie zur Debatte.

Der Landwirtschaftsminister de Gaulles versteht es, die "Freuden der Tafel", wie kaum ein anderer, zu genießen. Nie hat man einen bärtigen Herrn so appetitlich und appetitanregend speisen gesehen. Und wenn er gar das Glas an seine vollen Lippen setzt, so ist dieser Anblick absolut zwingend. Man ist sofort verführt, desgleichen zu tun, desgleichen den Wein zu prüfen und zu genießen. Er ist stattlich, der Herr Pisani, aber nicht dick. An "Ernährung" liegt ihm nichts. Ihm gilt die Kunst der Köche als ein Beitrag zur Kultur. Infolgedessen gehört Pisani, der fein, aber nicht füllig tafelt, zu jenen Lebenskünstlern, die beim Genuß von Speisen und Getränken nicht dumpf und stumpf werden. Je besser das Diner, desto geistreicher die Debatte.

"Wird man sich schnell über den europäischen Getreidepreis einigen, Herr Minister – jetzt, nachdem Sie in Bonn vorgesprochen haben?"

"Nicht so schnell, meine Herren! Nicht auf der Stelle!"

"Werden die Deutschen den Gang der Verhandlung wieder verzögern?"

"Nicht zu lange, meine Herren!"