In das Gepäck für eine Reise in oder durch die Türkei gehören keine Illusionen, wie man sie sich vielleicht noch seit Kindertagen aus orientalischen Märchen bewahrt hat. Die Türkei ist ein Land, dessen vielfältigen Zauber zwischen "Alt und Neu" man ohne bestimmte Vorstellungen auf sich wirken lassen sollte.

Sehr wichtig ist es, daß man ein wenig Türkisch sprechen und verstehen kann. In Istanbul und Ankara kann man sich allenfalls noch mit Englisch, Französisch oder Deutsch zurechtfinden. Doch wer viel reist, hat längst die Erfahrung gemacht, daß sich immer wieder Situationen ergeben, in denen nur ein paar Sätze in der Landessprache weiterhelfen können. Darum ist ein kleiner Reisesprachführer ein "Schatz" in der Jacken- oder Handtasche.

Wer das Land von Norden nach Süden und Westen hin durchquert, tut gut daran, sich den Namen "Tusan" einzuprägen. Die türkische "Tourisme Industry Inc. Tusan" hat in vielen Teilen des Landes Hotels, Motels und Restaurants eröffnet. Sie bieten absoluten Komfort bei mäßigen Preisen. Wie wichtig für den Reisenden der "Komfort" ist, weiß jeder, der länger in der Türkei war und das Land bereist hat. Die sanitären Verhältnisse sind oft sehr einfach.

Das Land ist sehr arm. Für den Touristen ist das Leben daher sehr billig, vorausgesetzt, man wählt nicht eines der internationalen Luxushotels in Istanbul, Ankara oder in den wegen ihrer Altertümer bevorzugten Reiseorten an der kleinasiatischen Westküste. Es gibt kleinere türkische Hotels in den großen Städten. Man kann sich zumeist dort ohne Bedenken einquartieren. Was bei uns seit langem zur Sage geworden ist, dort ist es Wirklichkeit: Der Gast ist König. Er wird mit der uralten orientalischen Fürsorge und Gastfreundschaft umgeben. Pagen und Hausdiener sind die wahrhaft "guten Geister". Im Zimmer stehen türkische Pantoffel bereit, und im Schrank hängt der Morgenrock. Ob nun im Speisesaal des kleinen Hotels oder in einer Lokanta im tiefsten Anatolien, immer sind Wirt und Kellner darauf bedacht, dem Gast die Wünsche von den Lippen abzulesen, noch ehe er sie ausgesprochen hat.

Beefsteak und Wiener Schnitzel gehören den heimatlichen Erinnerungen an. Nur wenige vornehme Restaurants führen neben der türkischen auch die französische Küche. Die türkische Küche ist so köstlich und reichhaltig, daß man auch die heimatliche darüber gern vergißt. Am Bratspieß und auf dem Rost werden von Hammel und Lamm, von Fisch und Geflügel die herrlichsten Gerichte bereitet. Und erst die Süßspeisen! Baklava zum Beispiel, die berühmte "Türkische Wonne", eine Pastetenart gefüllt mit Mandeln, Pistazien oder Walnüssen, oder Asure, ein Pudding aus gekochten Weizenkörnern, Rosinen, Trockenfeigen, Hasel- und Walnüssen. Der Raki, ein aus Trauben gebranntes, mit Anis gewürztes Nationalgetränk, macht auch die schwersten Speisen bekömmlich. Man sollte nie vergessen, ihn als Apéritif zu trinken.

Frisches Obst kommt zu jeder Jahrszeit aus allen Gebieten der Türkei. Zu den uns bekannten Früchten gibt es baumfrische Feigen. Zucker- und Wassermelonen fehlen bei keinem Mahl. Unübertrefflich sind die anatolischen Weine. Nicht umsonst gehörten sie zur Tafel der römischen Cäsaren. Bei Kaffee und Tee, auf türkische Art bereitet, serviert in kleinen Tassen und hauchdünnen Schalen, bei einer der spottbilligen und so ausgezeichnet schmeckenden türkischen Orient-Zigaretten kann man auch heute noch stundenlang in den Bazaren mit den Händlern feilschen.

Ein wichtiger Rat sei den Damen gegeben: Man vermeide, auch in heißester Sommerzeit, jedes Dekolleté in der Öffentlichkeit. Mag ein See am Wege auch noch so sehr verlocken – wenn es kein offizieller Badestrand ist, verzichte man auf ein erfrischendes Bad. Der Anblick von Bikinis und Badeanzügen auf weiblichen Körpern kann bei der einheimischen männlichen Bevölkerung zu nicht ganz berechenbaren Auftritten führen.